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Amazon verkauft Fire-Tablet knapp über dem Herstellungspreis

Fire – diesen Namen darf man wohl wörtlich nehmen. Besonders heiß am neuen Tablet aus dem Hause Amazon ist vor allem der Preis. Das Android-Gadget kostet in den USA lediglich 199 Dollar, und damit deutlich weniger als Apples iPad. Alleine am ersten Tag sollen eData Source zufolge bereits 95.000 Fire-Tablets verkauft worden sein, gegenüber lediglich 25.000 der neuen E-Ink-Modelle des Kindle. Technisch kann das sieben Zoll-Gerät zwar nicht mit Apples Super-Slate mithalten, denn es hat beispielsweise keine Kamera, kein Mikrophon und bietet auch keine 3G/UMTS-Option. Doch dafür bietet das Fire-Tablet die gesamte Palette des verfügbaren Online-Contents, von Streaming-Video und MP3s bis zu E-Books.

Um das neue Tablet unter die Leute zu bringen, hat Amazon knallhart kalkuliert – alleine die Materialkosten liegen nach Berechnungen von IHS isuppli bei knapp 190 Dollar. Teuerste Elemente sind Display & Touch-Screen (veranschlagt mit 87 Dollar) sowie die Platine (veranschlagt mit 70 Dollar). Zu dieser „Bill of materials“ kommen noch etwa 8,50 Dollar Herstellungskosten. Den einzigen Profit, so schätzt IHS suppli, mache Amazon mit dem via Fire-Tablet verkauften Content, nämlich durchschnittlich zehn Dollar pro Gerät. Auch das klingt nicht nach besonders viel Geld.

Doch IHS isuppli macht noch eine ganz andere Rechnung auf:

The real benefit of the Kindle Fire to Amazon will not be in selling hardware or digital content. Rather, the Kindle Fire, and the content demand it stimulates, will serve to promote sales of the kinds of physical goods that comprise the majority of Amazon’s business

Den Löwenanteil von Amazons Umsatz machen nämlich nicht Hardware, E-Books oder Musikfiles aus, sondern Schuhe, Windeln und sonstige Haushaltswaren. Das in den Neunzigern ursprünglich mal als Online-Buchhändler gestartete Unternehmen ist längst einer der weltgrößten Gemischtwarenhändler, der im Jahr 2010 mit diesem bunten Angebot mehr als 34 Milliarden Dollar Umsatz erzielte.

Die Einführung des „Super E-Readers“ namens Fire ist also Teil einer viel breiter angelegten Strategie – es geht um nichts weniger als die marketingtechnische Quadratur des Kreises. Die besteht darin, den Absatz von digitalem Content optimal mit dem Kauf von physischen Waren zu kopplen. So richtig gelungen ist das bisher noch niemandem. Doch wenn die Nutzer auf ihrem Fire Tablet in Zukunft nicht nur elektronische Bestseller bestellen, sondern auch Kühlschränke, Akku-Schrauber und Brausegarnituren kaufen, könnte die Rechnung aufgehen. Wer dagegen nur Thriller liest und TV-Serien streamt, seine Waschmaschine dagegen beim Fachhändler um die Ecke bestellt, darf sich dagegen fast schon als subversiv fühlen.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".