Amazon testet satellitengestütztes High-Speed-WLAN für Kindle-Nutzer

Amazon möchte der Kindle-Gemeinde in Zukunft offenbar mehr bieten als nur Whispernet: Bloomberg zufolge testet das Unternehmen in Cupertino/Kalifornien gerade ein neues High-Speed-WLAN, mit dem Kunden in Großstädten versorgt werden könnten. Der aktuelle Test soll im direkten Umfeld des legendären Lab126 stattinden, also Amazons geheimem Kindle-Entwicklungslabor. Das drahtlose Netz kommt bei diesem Experiment offenbar aus dem All – denn der Online-Händler arbeitet Bloomberg zufolge mit dem Satellitennetzwerk von Globalstar zusammen, einem Konsortium verschiedener Telekommunikations-Anbieter.

Deren Sendespektrum soll gegenüber konventionellen WLAN-Hotspots einige Vorteile bieten – darunter größere Geschwindigkeit und mehr Bandbreite, wodurch mehr Kunden gleichzeitig im Netz unterwegs sein könnten als bisher. Amazon selbst und Globalstar haben die Berichte zwar noch nicht bestätigt, doch die Sache klingt durchaus plausibel. Denn gerade Amazons Fire-Tablets saugen immer mehr Daten aus dem Netz, vor allem, weil die Nutzerbasis der Streaming-Angebote im Videobereich stark wächst. Für Premium-Kunden (Amazon Prime) werden solche Angebote in den USA umsonst zur Verfügung gestellt. Was natürlich voraussetzt, dass die Daten auch zum Nutzer gelangen können. Schaut man sich die „Ausleuchtzonen“ der Globalstar-Satelliten an (siehe Abb.), fällt sofort auf: Kalifornien, aber auch die Ostküste wird besonders gut abgedeckt – das WLAN aus dem All steht dort also in besonderer Qualität zur Verfügung.

Außerdem darf man natürlich nicht vergessen: schon die Erfolgsgeschichte des Kindle-Readers hat von Anfang an mit drahtlosem (Mobilfunk)-Netzzugang zu tun. Die erste Kindle-Generation galt als ein absolutes Novum, stellte sie doch eine Art hybride Mischung zwischen Mobiltelefon ohne Telefoniermöglichkeit und elektronischem Lesegerät dar. Amazons „Whispernet“ sorgt bei den 3G-Modellen bis heute in Kooperation mit Telekommunikations-Anbietern für den direkten Draht zum Kindle-Store. Die aktuell getestete WiFi-Variante scheint denselben Weg zu gehen: Statt für Milliarden Dollar eigene WLAN-Stationen in Großstädten aufzustellen, nutzt man lieber bereits bestehende Netzwerke.

Abb.: Ausleuchtzonen der Globalstar-Satelliten (Wikimedia Commons/Public Domain)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".