Amazon startet „Kindle Comic Creator“ – KDP als Königsweg auch für deutsche Indie-Zeichner?

Für Comic-Autoren fand digitales Self-Publishing bisher vor allem in Form von Webcomics statt. Mit Amazons neuem Tool „Kindle Comic Creator“ dürfte sich das ändern: denn mit dem kostenlosen Programm für PC und Mac können Independent-Zeichner aus ihren Bildergeschichten im Handumdrehen ein Kindle Book herstellen, das sich dann perfekt zum Lesen auf dem Kindle Fire und anderen Tablets eignet. Besonderer Clou: Die importierten Bilder werden so formatiert, dass sie sich im Rahmen der „Kindle Panel View“-Technik auch Bild für Bild gezoomt auf dem Display darstellen lassen. Gerade auf 7-Zoll-Tablets und Smartphone-Screens hat sich diese Art, E-Comics zu lesen, längst etabliert.

Amazons Antwort auf „ComiXology Submit“

Der Zeitpunkt von Amazons Initiative im Comic-Bereich kommt nicht ganz überraschend: denn erst im März hatte die in den USA besonders populäre Plattform ComiXology ein eigenes Self-Publishing-Programm gestartet („ComiXology Submit“), und gleich vom Start weg in der eigenen App dutzende Graphic Novels und Mangas angeboten. Im Unterschied zu Amazon wird die Formatierung des Materials allerdings nicht durch die Autoren selbst erledigt, zudem wurde eine Art Qualitätsfilter eingebaut. Auch die Verdienstmöglichkeiten unterscheiden sich: ComiXology bietet 50 Prozent Tantiemen, Amazon dagegen 70 Prozent. Allerdings lässt sich die nordamerikanische Comicszene über die ComiXology-App zur Zeit wohl deutlich besser erreichen.

Comics fit machen für das KF8-Format

Importieren lassen sich mit dem Comic Creator Bild-Dateien im .pdf, .jpg, .tiff und .png-Format. Am Ende wird der fertige Comic dann als Kindle-Book im multimedia-tauglichen KF8-Format exportiert, dessen Features am besten auf dem Farb-Display von Tablets mit Touch-Screen zur Geltung kommen, prinzipiell aber auch von Kindle Paperwhite oder Kindle Touch angezeigt werden können (was etwa bei schwarz-weißen Mangas auch Durchaus Sinn macht…). Ähnlich wie bei der Produktion von herkömmlichen E-Books in einem Editor können Comicautoren bei Comic Creator das Aussehen ihres E-Comics in allen Details beeinflussen. So lässt sich nicht nur die Anzahl der Panels auf einer Seite bestimmen, sondern auch die Anordnung, und damit die Leserichtung. Die einzelne „Panel View“ kann zudem auch deaktiviert werden (siehe auch den User Guide).

Wie wird die deutsche Comic-Szene reagieren?

Bisher wird Comic Creator nur in einer englischen Version über Amazon.com angeboten. Da es sich bei Amazons „Comic Creator“ aber um ein externes Programm handelt, und nicht um ein internes Feature der KDP-Plattform, kann man das Tool natürlich auch von Deutschland aus herunterladen und für die Produktion von Comics nutzen, die dann in den Kindle-Store von Amazon.de hochgeladen werden. Nicht nur für die unabhängige deutsche Comic-Szene, sondern auch für Verlage könnte das „Kindle Direkt Publishing“ somit in Zukunft zur ersten Adresse werden, wenn es um die Vermarktung der bunten Bildergeschichten geht.

Abb.: Screenshot

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".