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Kindle ins Regal: Amazon lockt unabhängige US-Buchhändler mit Provisionen

8 Nov 2013

Buchhandel im Jahr 2014 wird sich immer noch mit einer einfachen Formel beschreiben lassen: Amazon gegen den Rest der Welt. Allerdings wird der Rest etwas kleiner, denn immer mehr „Sortimenter“ kooperieren mit dem Branchenteufel. Was in Großbritannien als Pilotprojekt mit Waterstones begonnen hat, soll nämlich jetzt in den USA unter dem Namen „Amazon Source“ auf das Mittelfeld der Indies ausgeweitet werden. Sprich: im Laden um die Ecke kommt das Kindle ins Regal, und der Buchhändler kann sich entscheiden, entweder eine erhöhte Provision auf das Gerät einzustreichen oder zwei Jahre lang an jedem E-Book-Kauf über das Kindle mit 10 Prozent beteiligt zu werden.

„Amazon Source“ soll Kunden geben, was sie wünschen

“Wir glauben das Einzelhändler ihren Kunden das bieten sollten, was sie wünschen, egal ob Onliner oder Offliner, egal ob gross oder klein – und viele Kunden wollen eben gedruckt und digital lesen“, so Russ Grandinetti, Vize-Chef von Amazons Kindle-Abteilung. Tatsächlich sind auch schon erste Buchhändler ins Netz gegangen, so etwa Jason Bailey von JJ Books (Bothell/Washington). „Wir verkaufen Kindle-Reader, Tablets und Zubehör in unserem Laden und können so die Kundenbasis vergrößern und zugleich unser Geschäftsmodell zukunftsfähig machen“, wird der Buchhändler in Amazon Pressemitteilung zitiert. Auch Barbara Racine vom Campus-Store an der University of Puget Sound (Tacoma/Washington) hält das Programm für eine perfekte Kombination: „Als kleine Buchhandlung ist man bei den technischen Optionen eingeschränkt, aber Amazon Source macht es uns einfach. (…) Hat man die Geräte direkt vor sich im Laden, ist das bequemer und erleichtert das die Kaufentscheidung.“

Manche Indies sind schon mit dabei

Mindestens ebenso groß wie der Zuspruch dürfte aber die Ablehnung von Amazons neuester Offensive in Richtung stationärer Buchhandel sein –
schließlich weigern sich schon jetzt neben Barnes&Noble auch viele Indies, E-Books und Papierausgaben von Amazon Imprints zu verkaufen. Grund ist nicht nur Amazons aggressives, auf Exklusivität setzendes Marketing im Kindle Store. Viele Book People machen Amazon überhaupt für den brachialen Strukturwandel. „Es ist höchst unwahrscheinlich, das unsere Mitgliedsbuchhandlungen Amazon Produkte promoten werden, nachdem das Unternehmen in unserer Branche einen solchen Schaden angerichtet hat“, zitiert Internetretailer etwa Suzanna Hermansm und Steve Fisher, Vorsitzende bzw. Geschäftsführer der New England Independent Booksellers Association.

Landesweit hat in den USA Kobo die Nase vorn

Landesweit kooperiert der Branchenverband American Booksellers Association (ABA) interessanterweise schon einige Zeit mit Amazons kanadischem Konkurrenten Kobo – hunderte Indie-Buchhändler verkaufen in ihren Läden Kobo-Reader bzw. Tablets. Allerdings sind die Provisionen deutlich niedriger, pro verkauftem E-Book streichen die Händler lediglich 5 Prozent Marge ein. In Deutschland haben bisher weder Amazon noch Kobo im stationären Buchhandel Fuss fassen können – vorherrschend ist bei den großen Ketten die Tolino-Allianz, während die Indies vor allem über die Barsortimenter am E-Reader-Business beteiligt sind. So bietet Libri den Partnerbuchhandlungen etwa den Sony-Reader PRS-T3 mit lokalisiertem Web-Shop an, Umbreit eine vergleichbare Variante auf dem Pocketbook Touch Lux.