Amazon Flex, oder: hier habt ihr ne App, liefert euch die Pakete doch selbst

Amazon-Flex-Kunde-als-SubunternehmerDer Boom im Online-Handel geht ungebrochen weiter, beim Handelsverband Deutschland rechnet mit insgesamt 10 Prozent Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr. Besonders bemerkbar machen wird sich das mal wieder in der Weihnachtsszeit — dann droht nämlich noch mehr Chaos als in den Jahren zuvor. Der Bundesverband Paket & Expresslogistik erwartet, dass bis zu 30 Millionen Pakete mehr an der Haustür abgegeben werden als vor einem Jahr. Sogar 15 Millionen Sendungen täglich sollen es an einem Spitzentag werden.

In der Krise ist Kreativität gefragt

Dabei knirscht es jetzt schon kräftig in der Logistik — viele offene Stellen bei den Zustellern können nicht besetzt werden, auch bei den Saisonkräften wird es schwierig. In der Krise ist sich jeder selbst der Nächste: Bei der Deutschen Post/DHL sollen zur Not auch die Briefzusteller eingespannt werden, wenn die Kollegen vom Paketdienst es nicht mehr packen. Bei Hermes denkt man sogar an „regionale Mengenobergrenzen“ für Online-Händler.

Amazon hat von Uber gelernt

Auch Amazon macht sich offenbar Sorgen, und setzt deswegen unter dem Label „Flex“ auf einen ganz besonderen Ausweg — à la Uber kann jetzt jeder, der ein Smartphone und einen Führerschein besitzt, zum Paketboten werden. Dabei winken „bis zu 64 Euro“ pro Vierstunden-Block, also ein maximaler Stundenlohnen von 16 Euro. Gestartet ist „Amazon Flex“ in Berlin, andere Städte sollen folgen.

Subunternehmerisierung geht weiter

Aus Sicht der Buchbranche könnte man sagen: erst hat uns Amazon motiviert, die Bücher selbst zu schreiben, jetzt sollen wir sie auch noch selbst ausliefern. Als wenn es nicht schon genug Probleme bei der Paketzustellung gäbe! Man könnte es ja auch ganz einfach so machen, wie Ver.di vorschlägt, und endlich die Sozialstandards und Arbeitsbedingungen im Logistiksektor verbessern. So wären sicher mehr motivierte und qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen. Stattdessen geht die Subunternehmerisierung munter weiter, und zugleich die Senkung der Qualitätsstandards…

(via internetworld , Amazon Watchblog & verkehrsrundschau)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

Ein Gedanke zu „Amazon Flex, oder: hier habt ihr ne App, liefert euch die Pakete doch selbst“

  1. Stundenlohn 16€? Schwarz vielleicht.

    Ist es nicht vielmehr so, dass man bei dieser Art der prekären Beschäftigung selbständig ist und daher für alle Nebenkosten (Steuern, Sozialabgaben, Versicherungen, Transportmittel) selbst aufkommen muss, da bleibt am Ende nicht wirklich viel über. Mit Flaschensammeln verdient man da mehr.

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