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Boykott der US-Buchhändler bremst Amazons verlegerische Ambitionen aus

Auf den ersten Blick sieht es nur so aus wie eine (immerhin überraschende) Personalie: Larry Kirshbaum verlässt das New Yorker Büro von Amazon Publishing. Damit verliert die Verlagssparte des Online-Händlers einen ausgebufften Profi, dem es 2011 gleich zu Beginn seiner Tätigkeit gelungen war, Timothy Ferriss‘ Sachbuch-Bestseller „The Four Hour Chef“ an Land zu ziehen. Doch genau da begann eigentlich schon das Problem: es scheint nämlich deutlich leichter zu sein, mit Meta-Learning nach dem Pareto-Prinzip zum Spitzenkoch zu werden, als nur via Amazon in die Bestseller-Liste der New York Times zu gelangen. Anders als die vorherigen Bücher von Ferriss gab es „The Four Hour Chef“ nicht bei Barnes&Noble, und auch viele unabhängige Buchhändler lehnten dankend ab – das dämpft den Absatz, und drückt einen Titel im Bestseller-Ranking nach unten.

Trick 17 mit Selbstauslistung

Grund dafür, dass Ferriss den „Four Hour Chef“ am Ende als „America’s most banned book“ promoten durfte, ist der generelle Amazon-Boykott von B&N – die letzte verbliebene große Buchhandelskette der USA weigert sich, Print-Versionen von Amazon-eigenen Labels zu listen, solange diese Titel wiederum als E-Book exklusiv bei Amazon erscheinen. Mit dieser Taktik will Jeff Bezos eigentlich die Disruption der Buchbranche beschleunigen, doch mittlerweile entwickelt sich das zu einer Art Trick Siebzehn mit Selbsüberlistung (bzw. Selbstauslistung) – denn für Kirshbaum war es in der Folge des Boykotts schwierig bis unmöglich, unter diesen Bedingungen prominente Sachbuch- oder Belletristikautoren für Amazon Publishing zu gewinnen. Auch attraktive Tantiemen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass gedruckte Bücher auch in den USA immer noch 70 Prozent Marktanteil haben, und alleine schon die „Discoverability“ auch viel damit zu tun hat, ob ein Titel in den Buchhandlungen vor Ort ausliegt.

Amazon fährt Verlagsgeschäft zurück

Die Selbstblockade – anders kann man Amazons Ausschluss-System eigentlich nicht bezeichnen – wirkt sich nun offenbar auf die gesamte Firmenpolitik aus, berichtet der Branchennewsletter Shelf Awareness: „In Verbindung mit dem Weggang von Kirshbaum werden die besonders ambitionierten Bereiche von Amazons Verlagsaktivitäten zurückgefahren. Zahlreiche Verlagsmitarbeiter wurden bereits freigesetzt oder haben gekündigt, und Amazon spielte anders als noch vor zwei Jahren zuletzt kein wichtige Rolle mehr beim Ankauf von namhaften Buchrechten“. Statt auf „General Interest“-Titel dürfte Amazon in Zukunft also wieder stärker auf populäre Genre-Literatur von Thriller und Sci-Fi bis zu Herzschmerz setzen.

Abb.: Flickr/mag3737 (cc)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".