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Amazon am Kipp-Punkt: Kindle-Absatz verdreifacht, E-Books überholen Hardcover

20 Jul 2010

amazon-e-books-toppen-print.gifAmazon hat es geschafft – erstmals wurden im letzten Quartal mehr E-Books als Hardcover verkauft. Im den letzten vier Wochen lag das Verhältnis von Digital zu Print in diesem Bereich schon fast bei 2:1. Beeinflusst wurde der E-Book-Boom offenbar durch die drastische Preissenkung beim Kindle-Reader. Der Absatz des 6-Zoll-Readers soll sich trotz iPad-Hype in den letzten Monaten sogar verdreifacht haben.

„Ein Tag für die Geschichtsbücher – wenn es sie in Zukunft noch geben wird“

„Monday was a day for the history books — if those will even exist in the future“. Wenn eine Pressemitteilung von Amazon die New York Times zu so viel Pathos verleitet, muss schon etwas bedeutsames passiert sein. Das sofortige Ende der Gutenberg-Galaxis naht allerdings nicht, nur weil der größte Online-Buchhändler in den USA jetzt mehr E-Books als gedruckte Bücher verkauft. Der Wind of Change weht eher mittelfristig – bis auch die preislich günstigeren Paperbacks von elektronischen Versionen überholt werden, dürfte es noch etwas dauern. Dem Analysten Mike Shatzkin zufolge, so die NYT, könnte der Marktanteil von gedruckten Büchern innerhalb der nächsten zehn Jahre aber insgesamt auf ein Viertel sinken. Bisher war Amazon wichtigster Motor dieser Entwicklung. Schließlich liegen die Wachstumszahlen bei Kindle-Books sogar noch über den dreistelligen Zahlen, die unlängst von der Association of American Publishers für den Bereich E-Books gemeldet wurden. Zu den erfolgreichsten Bestsellern gehören Stieg Larsson und Stephenie Meyer – beide haben via Amazon bereits mehr als 500.000 Kindle-Books verkaufen können.

Der „Tipping-Point“ im Online-Handel & die Rolle des Kindle-Readers

Besonders interessant am „Tipping Point“ beim Online-Handel mit Büchern ist zudem die Rolle des Kindle-Readers. Mit der letzten Preissenkung des Basismodells auf 189 Dollar scheint Amazon nämlich endgültig den Durchbruch zum Massenmarkt erreicht zu haben. Und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als Apple die internationale Nachfrage nach dem iPad kaum befriedigen konnte. Der internationale Erfolg des Tablets ist aber wohl auch der entscheidende Unterschied zwischen Amazon und Apple. Denn nur auf dem US-Markt besitzt das Kindle-Universum noch einen echten Vorteil gegenüber der bunten Welt von Apps & Multimedia auf dem Touch-Screen. Doch die Zahl der Konkurrenten wächst selbst im E-Ink-Refugium. Denn längst nagt Barnes&Noble mit seinem Nook-Reader an Amazons Marktmacht. Auch diesen Reader gibt es mittlerweile für unter 200 Dollar. Von bisher wohl 80 Prozent am us-amerikanischen E-Book-Kuchen dürfte für Jeff Bezos somit auf Dauer nicht sehr viel übrig bleiben. SPOL zitiert eine Studie der Credit Suisse, nach der Amazons Anteil schon in diesem Jahr auf 72 Prozent schrumpfen dürfte, bis zum Jahr 2015 sogar bis auf 35 Prozent.