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Alternativer Online-Journalismus plus Paywall: Mediapart schreibt bald schwarze Zahlen

29 Jan 2011

mediapart-alternative-online-zeitung-frankreichWas Rupert Murdoch mit „The Daily“ auf dem iPad versuchen will, hat die französische Online-Zeitung Mediapart bereits fast geschafft: das 2008 gegründete alternative Blatt existiert nur digital, und wird bald schwarze Zahlen schreiben. „Mit etwas Glück erreichen wir noch dieses Jahr die Rentabilität. Heute haben wir etwa 47.000 Abonnenten. Wenn wir die 50.000 überschreiten, sind wir rentabel“, äußerte sich am Wochenende Mediapart-Redakteurein Géraldine Delacroix gegenüber der taz. Anders als Online-Zeitungen wie etwa die Huffington Post oder die französische Rue.89 verzichtet Mediapart komplett auf Anzeigen und setzt konsequent auf ein Abo-Modell. Nur die Startseite mit den Anreißern kann man kostenlos ansteuern, alle weiteren Inhalte sind hinter einer Paywall verborgen. Lesen kann man Mediapart entweder direkt im Browser, als PDF-Download oder via iPhone-App.

Alternative Tageszeitung als Gegengewicht zum System Sarkozy

Gegründet wurde Mediapart von vier Journalisten, unterstützt durch private Kapitalgeber und prominente Links-Politiker, allen voran Ségolène Royal, die bei der Präsidentschaftswahl 2007 für die Sozialisten gegen Sarkozy kandidierte. Von Anfang an gab es jedoch auch eine starke Web-Community. Mediapart bezeichnet sich nicht umsonst als „digital, unabhängig und partizipatorisch“. Die Website enthält einen Nachrichtenteil (Le Journal) und einen Blogteil (Le Club), in dem sich gleichberechtigt Leser, Journalisten und Aktivisten tummeln. Anders als etwa bei der HuffPo gibt es eine klare Trennungslinie zwischen bezahltem Journalismus & unbezahltem Bloggen. Für den Nachrichtenteil ist eine Kernmannschaft von mittlerweile mehr als zwei Dutzend professionnellen Redakteuren zuständig. Debattiert und kritisiert wird über die Kommentarfunktion wie auch die Community-Blogs von „Le Club“.

Die Bettencourt-Affäre brachte einen Leser-Ansturm

Motivation zur Gründung von Mediapart war u.a. die Wahl von Sarkozy zum Staatspräsidenten – die Macher wollten mit möglichst geringem finanziellen Aufwand eine Alternative zum althergebrachten Mediensystem und seinen politischen wie wirtschaftlichen Verflechtungen schaffen. Gerade in der um Steuerbetrug, Parteispenden und Korruption kreisenden Woerth-Bettencourt-Affäre konnte Mediapart beweisen, wie nützlich ein wirklich unabhängiges Blatt sein kann, etwa, indem brisantes Material nicht zurückgehalten wurde, sondern an die Öffentlichkeit kam. Die Leserinnen und Leser scheinen das zu goutieren – seit dem Höhepunkt der Affäre im Sommer 2010 hat man fast zwanzigtausend Abonnenten hinzugewinnen können.

Teile von Mediapart kann man kostenlos auf englisch lesen

Ähnlich wie bei der alternativen Tageszeitung taz gibt’s bei Mediapart ein gestaffeltes Abosystem, das vom Unterstützer-Abo für 15 Euro pro Monat über den Normalpreis von 9 Euro bis zum Sozial-Abo für 5 Euro reicht. Mediapart ausprobieren kann man übrigens auch, wenn man nicht frankophon ist: Um die Reichweite der Online-Zeitung zu vergrößtern, hat Mediapart im Herbst 2010 eine inhaltlich eingeschränkte englische Version gestartet, die sich auf Übersetzungen des französischen Originals stützt. Momentan ist „Mediapart English“ noch kostenlos zu lesen, mittelfristig soll aber auch der Ableger in ein Abomodell überführt werden.