„Als Self-Publisher bin ich den Piraten dankbar“ (Hugh Howey)

Zu den spannendsten Erfolgsgeschichten in punkto Self-Publishing gehört wohl Hugh Howeys postapokalyptische Sci-Fi-Saga „Wool“, in Deutschland unter dem Titel „Silo“ von Piper verlegt. Angefangen hat das Projekt als eine Serie von Kurzgeschichten, die Howey neben seiner Arbeit als Buchhändler aufs Papier warf. Den finanziellen Durchbruch brachte dann die Veröffentlichung über Amazons KDP-Plattform – am Ende wurde Wool zum Roman, und das Schreiben zum Hauptberuf. Inzwischen hat Howey nach eigenen Angaben bereits 2 Millionen Exemplare verkaufen können, jeden Monate werden alleine 50.000 neue E-Books abgesetzt.

Trotz des Erfolgs ist Howey beim Self-Publishing geblieben. Doch warum? In einem Interview mit TechCrunch hat es der Enddreißiger diese Woche nochmal auf den Punkt gebracht: es geht nicht einfach nur um möglichst hohe Tantiemen, sondern auch größtmögliche Unabhängigkeit – was etwa niedriges Pricing oder Gratis-Aktionen ermöglicht, ebenso den Verzicht auf DRM. Und nicht zuletzt kann sich Howey sogar über Raubkopien freuen: „I can even celebrate people pirating my work and only paying for it if they want“, so der Wool-Erfinder gegenüber TechCrunch.

Eine solch entspannte Haltung gegenüber Piraterie kennt man auch von anderen Bestseller-Autoren, etwa Paulo Coelho. Sobald das Einkommen eine gewisse Schwelle überschreitet, wird die Zahl der erreichten Leser offenbar weitaus wichtiger als die Zahl der tatsächlich verkauften Exemplare. Zumindest im digitalen Bereich. Denn natürlich erzielt auch Howey mittlerweile einen nicht unwichtigen Teil seiner Einnahmen mit gedruckten Fassungen seiner Romane: „I make $4 on my paperbacks, nearly twice what most Big Five authors make on their hard backs“, brüstet sich Howey gegenüber TechCrunch.

Bei der Print-Distribution setzte Howey anfangs ebenfalls auf Self-Publishing via Createspace. Inzwischen kooperiert er mit Simon & Schuster, also einem der „Big Five“-Verlage, um „Wool“ in die Buchhandlungen in den USA und Kanada zu bringen. Vorbedingung war für Howey jedoch ein in der Buchbranche immer noch äußerst ungewöhnlicher Print-Only-Deal. „It’s a sign of how far the balance of power has shifted toward authors in the new digital publishing landscape“, urteilte das Wall Street Journal im März 2013, kurz bevor die Simon & Schuster-Reprints von „Wool“ in den Regalen landeten.

Simon & Schuster muss sich somit auch gefallen lassen, preislich von Howeys selbst verlegten E-Book-Versionen deutlich unterboten zu werden. Bei der internationalen Verwertung läuft das etwas anders. In Deutschland zum Beispiel wird die Pricing-Strategie der Wool-Übersetzung komplett vom Piper-Verlag gesteuert. Die E-Book-Version von „Silo“ kostet mit 15,99 Euro derzeit kaum weniger als die gebundene Ausgabe, die für 19,99 Euro zu haben ist. Das englische Original erhält man im deutschen Kindle-Shop dagegen schon ab 2,99 Euro.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

Ein Gedanke zu „„Als Self-Publisher bin ich den Piraten dankbar“ (Hugh Howey)“

  1. Hugh Howey ist in Amiland das Parade-Beispiel im Self-publishing. Ich denke gerade in Deutschland haben Self-Publisher gute Chancen. Der Markt ist groß, die Deutschen lesen und bezahlen gerne.
    Dazu kommt, dass die Verlage bei uns quasi noch hinterm Mond leben – sie verstehen weder DRM, noch heutige Preise (15.99 Euro für ein Ebook ? Das ist schon grenzwertig) oder die gesamte Social Media Landschaft. Ich weiß von meinen UK und Ami Freunden das Deutschland der größte „ausländische“ Markt für sie ist. Ich freue mich schon meine Sci-Fi Bücher selbstzupublishen ;)

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