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Alles, was leuchtet: Aktuelle E-Reader-Marktübersicht (Teil 1)

13 Nov 2013 Ansgar Warner 2 Kommentare

Im Leseland hat sich ein neuer Standard eingebürgert – war bis vor kurzem das Optimum in der 6-Zoll-Klasse noch WiFi, integrierter E-Store und Touchscreen, so ist nun das “Glimmerlicht” als ultimativer Kontrastverstärker hinzugekommen. Vom Kindle Paperwhite über das Pocketbook Lux bis hin zum Tolino buhlen sechs solcher Glowlight-Reader um die Gunst der Kunden, die preislich zwischen 99 Euro und 149 Euro rangieren. Jenseits vom Mittelfeld ist dagegen (noch) nicht sehr viel los – außer Konkurrenz glüht Kobos 7-Zoll-Premiumreader “Aura HD”. Als Odd Couple etwas abseits des Rampenlichts stehen ansonsten noch der glimmernde Tastenreader Pyrus 2 LED von Trekstor wie auch der hochwertige Sony PRS-T3, der statt eingebautem Glimmerlicht optional mit Leucht-Cover geliefert wird.

Kobo Aura HD

Display: E-Ink (6,8 Zoll), 1440 x 1080 Pixel, Touchscreen, Glowlight
Gewicht: 240 Gramm
Schnittstellen: USB, WLAN, SD-Kartenslot
Speicher: 4 GB intern, 32 GB extern
Preis:179 Euro

Der “Kobo Aura HD” im ungewöhnlichen 6,8 Zoll-Format wurde “speziell für die größten Buchliebhaber entworfen, die Hunderte von Büchern im Jahr verschlingen”, so Kobo-Geschäftsführer Michael Serbinis. Besonderer Hingucker neben dem Format ist die besonders hohe Auflösung von 1440 x 1080 Pixel: Mit 265 dpi soll der glimmerlicht-verstärkte Pearl-E-Ink-Touchscreen “eine Leseerfahrung bieten, die der des gedruckten Buches am nächsten kommt”. Vom Design her das Gerät mit 240 Gramm nicht nur etwas schwerer als normale 6-Zoller, sondern wirkt auch etwas klobiger. Die inneren Werte können sich sehen lassen: 4 Gigabyte Speicher und ein schneller 1 Gigahertz-Prozessor sollen den Aura HD laut Kobo durch einen Performance-Vorsprung von 25 Prozent zum derzeit “schnellsten eReader auf dem Markt” machen. Die Akkuleistung soll für ein bis zwei Monate Lesedauer reichen. Die Schriftfonts wurden Kobo zufolge “Pixel für Pixel perfektioniert”, um in allen 24 Zoomstufen eine “tadellose” Darstellung zu garantieren.

Amazon Kindle Paperwhite II

Display: E-Ink, 1,024×758 Pixel, Touchscreen, Glowlight
Gewicht: 206 Gramm (WLAN-Version)
Schnittstellen: USB, WLAN
Speicher: 2 GB intern
Preis: 129 Euro

Es ist das schwärzeste Display aller Zeiten, es ist das weißeste Display aller Zeiten: als erster Reader auf dem Markt wird das Kindle Paperwhite II von Amazon mit der neuesten Display-Generation aus dem Hause E-Ink ausgeliefert. “Carta” punktet im Vergleich zu “Pearl E-Ink” mit einem um 50 Prozent verbesserten Kontrast (von 10:1 auf 15:1) und einer um 40 Prozent verbesserten Reflektivität. Zudem wurde die Touchscreen-Abtastung verfeinert, kleine Fehler der Glimmerlicht-Funktion hat man ausgemerzt. Die bewährte Benutzeroberfläche glänzt mit neuen Features – etwa mit der “Pageflip”-Funktion: durch die Einblendung einer zusätzlichen Seitenansicht kann man im Text vor- oder zurückblättern oder gleich von Kapitel zu Kapitel springen, ohne die aufgeschlagene Seite zu verlieren. Das neue “Smart-Lookup” ermöglicht es, Begriffe innerhalb des Wörterbuchs auch in der Wikipedia nachzuschlagen, ohne den Browser bemühen zu müssen. Wer gerne fremdsprachige Texte liest, wird sich wohl über den integrierten Wortschatz-Trainer freuen.

Nook Glowlight

Display: E-Ink, 1,024×758 Pixel, Touchscreen, Glowlight
Gewicht: 175 Gramm
Schnittstellen: USB, WLAN
Speicher: 4 GB intern
Preis: 129 Euro

In den USA ist Amazons Kindle die Nummer 1, doch Barnes&Noble hält wacker dagegen: technisch darf die überarbeitete Version des Nook Glowlight (zuvor: Nook Simple Touch Glowlight) als ebenbürtig gelten, auch B&N hat an der Qualität des Glimmerlichts geschraubt, den Screen-Refresh verbessert und die Reaktionsgeschwindigkeit des Touch-Screens auf Trab gebracht. Rein äußerlich hat man sich dem Über-Reader der Konkurrenz angeglichen – die Umblättertasten sind verschwunden (leider!), der Mikro-SD-Slot ebenfalls (leiderleider!), beim Gewicht (174 Gramm) wird das Kindle nun deutlich unterboten, beim Speicher (4 Gigabyte) überboten. Fragt sich natürlich: warum sollte man den Nook Glowlight als deutscher Kunde kaufen? Denn einen E-Store mit deutschem Content gibt’s ja noch nicht. Doch wer eine epub-fähige-Alternative zum Kindle sucht, die technisch auf Augenhöhe liegt, wird mit dem Nook Glowlight durchaus gut bedient. Das Gerät selbst ist problemlos etwa via Amazon.de lieferbar.

Kobo Aura

Display: E-Ink, 1,024×758 Pixel, Touchscreen, Glowlight
Gewicht: 174 Gramm
Schnittstellen: USB, WLAN, SD-Kartenslot
Speicher: 4 GB intern
Preis: 149 Euro

Manche Kunden werden sich wohl verwundert die Augen reiben: Kobo bietet zwei Glowlight-Reader mit 6-Zoll an – was soll das? Auch die FAQs helfen nicht wirklich weiter: “Das neue Design ist elegant, schlank und besticht durch einen herrlichen, neuen, randlosen Bildschirm in hoher Auflösung und der besten, gleichmäßigsten Vorderbeleuchtung: dem ComfortLight”, heißt es da. Tatsächlich sieht das Gerät von außen fast aus wie ein Tablet – die Kontrast-Qualität des E-Ink-Displays selbst unterscheidet sich aber kaum messbar vom Kobo Glo, beim Page-Refresh bzw. den “Ghosting”-Effekten sind die Verbesserungen dagegen sichtbarer. Luxuriöser kommt insbesondere auch die Hardware-Ausstattung daher, mit 4 Gigabyte wurde der Speicherplatz verdoppelt, mit 2 Monaten Betriebsdauer hält der Akku doppelt so lange durch. Ein paar mehr Fontarten spendiert Kobo ebenfalls, außerdem als Nice-to-have noch eine Schach- und Sudoku-App.


Kobo Glo

Display: E-Ink, 1,024×758 Pixel, Touchscreen, Glowlight
Gewicht: 185 Gramm
Schnittstellen: Mikro-USB, WLAN, SD-Kartenslot
Speicher: 2 GB intern
Preis: 129 Euro

Kobos Glowlight-Basismodell bringt nicht nur das Touch-Screen zum Leuchten, sondern bietet auch XGA-Auflösung. Das Touch-Screen arbeitet mit Infrarot-Abtastung, nicht kapazitiv, das macht sich aber im Alltag kaum bemerkbar. Mit 185 Gramm ist der KoboGlo eines der leichtesten Geräte auf dem Markt, auch wenn er von außen etwas klobiger wirkt als das High-End-Modell Kobo Aura und zehn Gramm mehr auf die Waage bringt. Ähnlich wie beim WiFi-Kindle sind alle geshoppten E-Books jederzeit über die Cloud-Bibliothek abrufbar, ebenfalls über das drahtlose Netz funktionieren die integrierten Social-Reading-Features. Dank SD-Karten-Slot lässt sich der Kobo Glo – anders als beim Kindle Paperwhite – mit bis zu 32 Gigabyte zusätzlichem Speicher ausstatten.

Tolino Shine II

Display: 6-Zoll E-Ink-Touchscreen (1024×758 Pixel)
Gewicht: 183 Gramm
Speicher intern: 4 Gigabyte
Schnittstellen: Mikro-USB, WLAN, SD-Kartenslot
Preis: 99 Euro

Nicht umsonst war schon die erste Version des Tolino Preis/Leistungssieger der Stiftung Warentest – Glowlight plus Touchscreen plus XGA-Auflösung gibt’s sonst nirgendwo zu diesem Preis. Allerdings hatte das im Frühjahr 2013 gelaunchte Modell dann doch noch einige Mängel, die erst mit zwei Software-Updates behoben werden konnten. Zum Weihnachtsgeschäft startete nun die zweite Generation des Tolino Shine, der nicht nur online, sondern auch in Weltbild-, Hugendubel- und Thalia-Filialen erhältlich ist. In Sachen Hardware sind die Unterschiede zum Tolino I allerdings kaum spürbar – abgesehen vom verbesserten Page-Refresh und gleichmäßigerer Ausleuchtung hat sich nicht viel getan, die Benutzeroberfläche ist identisch. Eigentlicher Clou des Tolino Shine bleibt so wie auch bisher die Telekom-Cloud – mit ihr lassen sich E-Books zwischen Reader und Apps auf Smartphone und Tablet synchronisieren und z.T. sogar wiederherstellen, wenn sie gelöscht wurden.

Pocketbook Touch Lux

Display: 6-Zoll E-Ink-Touchscreen (1024×758 Pixel)
Gewicht: 198 Gramm
Speicher intern: 4 Gigabyte
Schnittstellen: Mikro-USB, WLAN, SD-Kartenslot
Preis: 139 Euro (über unabhängigen Buchhandel lieferbar)

Mit dem “Lux” ist nun auch Pocketbook in die Glowlight-Liga eingestiegen – und hat so etwas wie den “Hidden Champion” der Branche produziert, auf den auch viele unabhängige Buchhändler (über den Barsortimenter Umbreit) und die Mayersche Buchhandlung setzen, immerhin Deutschlands Nr. 3 nach Thalia & Weltbild. Von der Hardware her steht das im Frühjahr 2013 gelaunchte Lesegerät der Konkurrenz in nichts nach – das Display bietet XGA-Auflösung, sehr gute Kontrastwerte und mit Audio-Funktion und Text-to-Speech besitzt das Pocketbook touch Lux sogar zwei echte Alleinstellungsmerkmale, seitdem anderswo solche Features zugunsten der Tablet-Modelle wegfallen. Bei der Bedienung geht Pocketbook ebenfalls einen Sonderweg – neben dem Touchscreen gibt’s auch noch Umblättertasten unter dem Display. Nur beim Preis muss der Kunde etwas tiefer in die Tasche greifen. Doch gerade wenn man damit den Buchhändler um die Ecke unterstützen kann, lohnt sich das…

Pyrus 2 LED

Display: 6-Zoll E-Ink, 800×600 Pixel, Glowlight
Gewicht: 205 Gramm
Speicher intern: 2 Gigabyte
Schnittstellen: Mikro-USB, SD-Kartenslot
Preis: 79 Euro

Es ist fast schon ein lokales Brauchtum – pünktlich zur Weihnachtsaison geht TrekStor wieder einmal mit einem Preisbrecher an den Start. Technisch haben sich die Lowest-Cost-Reader des Lorscher Unternehmens Schritt für Schritt dem Mainstream angenähert, und verkaufen sich gut, auch wenn sie von der Stiftung Warentest regelmäßig abgewatscht werden. Nun bekommt man zum Fest sogar Glowlight für 80 Euro. Viel mehr aber auch nicht, denn auf WiFi & drahtloses Shoppen via E-Store muss man bei diesem Schnäppchen ebenso verzichten wie auf Touch-Screen. Der Pyrus 2 LED ist nämlich wie alle anderen Reader aus dem Hause TrekStor auch ein klassischer Tastenreader. Ob sich die Ersparnis von 20 Euro gegenüber dem weitaus besser ausgestatteten Tolino wirklich lohnt, sollten selbst Sparfüchse vor dem Kauf besser noch mal überdenken.

Sony PRS-T3/T3S

Display: 6-Zoll E-Ink, 1024×758 Pixel
Gewicht: 200 Gramm
Speicher intern: 2 Gigabyte
Schnittstellen: Mikro-USB, WLAN, SD-Kartenslot
Preis: 99/129 Euro (ohne Leucht-Cover)

Bei E-Readern setzt Sony auch weiterhin auf Klasse statt Masse – da macht das neueste Modell PRS-T3 keine Ausnahme: edles Design, hohe Qualität, aber auch eine gewisse Verweigerungshaltung gegenüber Branchen-Trends. Eins darf man nämlich nicht erwarten: Glowlight. Stattdessen wird optional ein spezielles Cover mit integrierter Leselampe angeboten. Je nachdem, ob man den normalen Reader kauft oder die technisch identische Special-Edition mit verschlanktem Gehäuse, treibt das den Preis jedoch auf 169 Euro bzw. 139 Euro herauf. Dafür wurde dem neuesten Modell aber auch eine Schnelladefunktion spendiert, die in nur drei Minuten den Akku zumindest teilweise wiederauflädt. Unterstützt wird jetzt zudem die Nutzung von Evernote & Facebook, neben vorinstallierten Wörterbüchern gibt’s die Möglichkeit, bei Wikipedia oder Google nachzuschlagen. Erwirbt man den PRS-T3 bei ebook.de (früher Libri) oder einem ebook.de-Partnershop, unterstützt man damit den darbenden deutschen Buchhandel. Im Weihnachtsgeschäft wird die Special Edition von Sonys Lampen-Reader übrigens auch bei Tschibo erhältlich sein…

Abb.: Hersteller (Reader); Intro: Flickr/allerleirau (cc)

2 Kommentare »

  • E-Book-Reader unter dem Weihnachtsbaum | Büchereizentrale Niedersachsen... schrieb:

    [...] Vergleich aktueller Geräte mit Hintergrundbeleuchtung [...]

  • axxaxx schrieb:

    Wo bleiben eigentlich die seit Jahren immer mal wieder angekündigten Reader mit Kunststoff Display?
    Nachdem ich mit dem pocketbook 360° und dem PRS-T2 schon 2 Displays gecrasht habe, kommt mir kein Glas-Display mehr ins Haus…
    Dann warte ich…und warte…und warte halt….