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Riepls neueste Visitenkarte, oder: Akzidenzen aus der Letterpress eines Schweizer Degens

3 Jan 2018 0 Kommentare

handgedruckte-visitenkarte„Rund um das elektronische Lesen“ lautet das Motto von E-Book-News — das heißt auch, über Bereiche der Gutenberg-Galaxis zu berichten, die sich dem Trend zum Digitalen widersetzen. Ein aktuelles Beispiel liegt vor mir auf dem Tisch: ein Stapel Visitenkarten, nicht nur einfach „gedruckt“, sondern per Hand aus Blei gesetzt und per Letterpress — also klassischem Buchdruck — auf wertiges weißes Papier mit hoher Grammatur gebracht.

Die Tiegelpresse rattert

Beim Druckvorgang war ich dabei, es gab erst einen Probedruck, dann ratterten in ein paar Minuten 100 Exemplare aus der Tiegeldruckpresse. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: eine schöne schwarze, serifenlose Schrift, die sichtbar in das Papier eingegraben ist.

Dabei habe ich auch gleich noch ein paar längst verschollene Begriffe gelernt — hergestellt wurden die Karten zum Beispiel von Christian Schöppe, einem veritablen „Schweizer Degen“, also einem ausgebildeten Print-Fachmann, der gleichzeitig als Schriftsetzer und Drucker arbeitet.

Gelegenheitsdrucksachen als Cash Cow

Wie bei den meisten KollegInnen gehört auch zu Schöppes Kerngeschäft der Akzidenzdruck, also „Gelegenheitsdruck“, zu solchen Akzidenzen werden neben Visitenkarten und Briefpapier auch Prospekte, Broschüren, Speisekarten oder Formulare gezählt.

Rieplsches Gesetz bestätigt sich

Was natürlich nicht heißt, dass nicht Stars der Szene, wie hier im Berliner Raum etwa Martin Z. Schröder, auch immer wieder mal mit besonders schönen, im Bleisatz produzierten Büchern in limitierter Auflage von sich reden machen — und damit voll und ganz das Rieplsche Gesetz bestätigen: weder hat das E-Book das gedruckte Buch vollständig verdrängt, noch haben moderne Druckverfahren von Offset bis Digitaldruck das alte Handwerk der „schwarzen Kunst“ vollständig verdrängt.

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