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Against Amazon, oder: Mit handgebundenen Pamphleten gegen die symbolische Enteignung

8 Mai 2018

against-amazon„Sieben Gründe gegen Amazon“ sind schnell bei der Hand — und doch lohnt es sich, die Aufzählung von (weitaus mehr als sieben) Gründen zu studieren, welche der spanische Autor Jorge Carrión in einem „Manifest“ präsentiert hat. „Weil ich kein Komplize sein möchte bei der symbolischen Enteignung“, „Weil wir zwar alle Cyborgs sind, aber keine Roboter“, „Weil ich nicht will, dass sie mich beim lesen ausspionieren“, „Weil ich an die Notwendigkeit auch des minimalsten Widerstandes glaube“, usw.

Clevere Crosspromotion via Chapbook

Dass Carrións Manifest derzeit vor allem in Nordamerika viel diskutiert wird, hat mit einem glücklichen Umstand zu tun: ein kanadischer Buchhändler verkauft die ins Englische übersetzte Version als schön gedrucktes, handgebundenes (bzw. genähtes) Pamphlet (engl. Chapbook). Eigentlich wollte Dan Wells von der Verlagsbuchhandlung „Biblioasis“ in Windsor nur ein paar Exemplare auf der letzten Frankfurter Buchmesse verteilen, zwecks Crosspromotion eines anderen Carrión-Titels („Bookshops: A Reader’s History“).

Buchbinde-Parties binden die Community ein

Doch irgendwie hatte er mit seiner Aktion einen Nerv getroffen, die Nachfrage reißt nicht ab. Inzwischen wurden mehr als 2.500 Stück abgesetzt, vom Buchhändler-Team und weiteren Aktivisten auf eigens organisierten „Book Binding Parties“ zusammengenäht — bei Biblioasis hat man aber auch schon Erfahrung mit solchen „Chapbooks“ in der Tradition frühneuzeitlicher Flugschriften. Doch es bleibt ein Non-Profit-Projekt – „a combination of promotion, public service, and a labor of love“. Lesen kann man Carrións Thesen aber auch ganz einfach — z.B. via lithub.com — im Internet.

(Via Publishersweekly)