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“Adobes DRM nicht mehr sicher!” – Libreka-Chef Schild für E-Books mit digitalem Wasserzeichen

2 Dez 2009 Ansgar Warner 4 Kommentare

Adobes DRM nicht sicher Libreka Chef fuer digitales Wasserzeichen Bild Flickr_NgocHa.gifSpätes Erwachen für die Buchbranche: da immer mehr E-Books als Raubkopien im Internet kursieren, plädiert Libreka-Chef Roland Schild jetzt für die Abkehr von Adobes DRM-Schutz – der ist nämlich längst geknackt worden. Stattdessen rührt Schild die Werbetrommel für das digitale Wasserzeichen – diese Lösung sei nicht nur sicherer, sondern für die Verlage auch günstiger. Bringen jetzt ausgerechnet die Hacker deutsche Buchverlage zur Vernunft?

“E-Books, deren Kopierschutz entfernt wird, können beliebig im Internet verbreitet werden”

“Kopierschutz gehackt – E-Books nicht mehr sicher!” Die heute morgen zunächst via Twitter verbreitete Nachricht klang hochdramatisch. Zumindest für Verlage und Buchhändler. Was war passiert? Libreka-Betreiberin MVB warnte die Branche in einem Schreiben vor einem im Internet kursierenden Programm, mit dem das DRM von Adobe Digital Editions umgangen werden kann. Praktisch alle im epub oder pdf-Format erhältliche Bücher bei Libreka, aber auch anderen Online-Portalen sind mit diesem Kopierschutz versehen. „E-Books, deren Kopierschutz entfernt wird, können beliebig im Internet verbreitet werden. Es gibt dabei keine Möglichkeit, den Täter zu identifizieren“, zitierte Buchreport aus dem Schreiben von MVB-Chef Ronald Schild an die an Libreka beteiligten Verlage. Tatsächlich gibt es bereits mehrere Möglichkeiten, mit Adobes Digital Edition (ADE) geschützte Bücher trotzdem zu kopieren – das war allerdings schon bekannt, bevor Libreka überhaupt E-Books angeboten hat, die mit dem “hartem DRM” von Adobe versehen waren.

Siehe da: mit dem digitalen Wasserzeichen liessen sich sogar 20 Cent pro E-Book sparen

Die Warnung vor dem “ernstzunehmenden Sicherheitsrisiko” verband Schild mit einer Werbeaktion für das digitale Wasserzeichen. Damit könnten Buch-Käufer ihre E-Books problemlos für den privaten Gebrauch zwischen verschiedenen Geräten hin- und herkopieren. Grundsätzlich wäre auch eine Konvertierung zwischen verschiedenen Formaten möglich – etwa für E-Reader, die keine epub-Dateien lesen können. Auch der Kauf von E-Books in den Buchhandlungen mittels des von Libreka angebotenen “Transfer-Tools” wäre mit Wasserzeichen viel komfortabler – die Nutzer könnten die E-Book-Datei auf ihrem E-Reader sofort öffnen. Jedes E-Book wäre jedoch eindeutig gekennzeichnet: “Das Wasserzeichen hält vom Hochladen auf Tauschbörsen ab, weil es zu viel Aufwand wäre, es zu entfernen”, plädiert etwa auch txtr-Mitarbeiter Joscha Bach im Frühjahr 2009 für die behutsame Art des Urheberrechtsschutzes. Offenbar ist nun auch Schild zu der Erkenntnis gelangt, dass die bisherige Art des harten Kopierschutzes “nicht mehr zeitgemäß ist”. Die Musikindustrie, so Schild, habe das bereits begriffen. Nun sei es an den Buchhändlern, diesen Schritt zu wagen. Die Libreka-Betreiberin MVB bietet den Verlagen deswegen an, ihre Bücher in Zukunft mit dem digitalen Wasserzeichen zu versehen – und das sogar kostenlos. Bisher fielen pro verkauftem Buch nur für den Gebrauch von Adobes DRM 20 Cent Lizenzgebühren an. Man darf sich allerdings fragen: warum kommt diese brilliante Idee erst jetzt?

4 Kommentare »

  • Newsportal HUiP.de schrieb:

    “Adobes DRM nicht mehr sicher!” – Libreka-Chef Schild für E-Books mit digitalem Wasserzeichen…

    Spätes Erwachen für die Buchbranche: da immer mehr E-Books als Raubkopien im Internet kursieren, plädiert Libreka-Chef Roland Schild jetzt für die Abkehr von Adobes DRM-Schutz – der ist nämlich längst geknackt worden. Stattdessen rührt Schild di…

  • Manuel schrieb:

    Siehe da: mit dem digitalen Wasserzeichen liessen sich sogar 20 Cent pro E-Book sparen

    …und vor allem auch eine Menge mehr eBooks verkaufen. Ich will nicht wissen, wieviele potentielle Käufer deswegen vor dem Erwerb digitaler Bücher zurückschrecken, weil sie sich nicht auf ein DRM-behaftetes Format einlassen wollen, das eventuell schon auf dem nächsten eReader-Modell nich mehr lesbar ist. Ich befürchte aber, für ein wirkliches Umdenken muss die ganze Branche erst noch ein wenig Piraterie-Wind ins Gesicht bekommen, damit der gleiche Lernprozess, wie er in der Musikindustrie stattgefunden hat und noch stattfindet, auch dort einsetzt.

  • e-book-news.de » Blog Archive » Adobe lockert DRM-Schutz: E-Books in Zukunft beliebig oft vom Nutzer kopierbar? schrieb:

    [...] Auch in Deutschland beginnt man umzudenken – so hatte etwa Libreka-Chef Roland Schild vor kurzem den Umstieg aufs digitale Watermarking gefordert. Die Internet-Plattform des deutschen Buchhandels würde diesen Service sogar umsonst anbieten – [...]

  • e-book-news.de » Blog Archive » “Kopierschutz ist Ursache für Online-Piraterie”: Buchhändler fordern barrierefreien Kauf von E-Books schrieb:

    [...] sich allerdings immer zum ursprünglichen Käufer zurückverfolgen. Die E-Book-Plattform Libreka bietet diese Form von Kopierschutz schon seit längerem an. Genutzt wird das Verfahren in Deutschland allerdings praktisch gar nicht [...]