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Das Medium ist die Message: Wired-Magazin ab 2010 auf dem E-Reader

18 Nov 2009

wired-magazin-ab-2010-auf-dem-e-reader-adobe-conde-nastDas Wired-Magazine kommt auf den E-Reader – Condé Nast und Adobe arbeiten an einer digitalen Version, die Mitte 2010 verfügbar sein soll. Nach Informationen des Wall Street Journal ist ein ähnlicher Schritt auch für Vogue, Vanity Fair und den New Yorker geplant. Condé setzt offenbar darauf, dass bis Mitte nächsten Jahres E-Reader mit Farb-Display auf dem Markt sind, die auch Fotostrecken und aufwendiges Layout in ausreichender Qualität darstellen können.

Wired war schon öfter medialer Trendsetter – nun also für das E-Mag

Wired auf dem E-Reader – das wird auch Zeit: Im verdrahteten Zeitalter sollte ein Techie-Magazin mit gutem Beispiel vorangehen. Seit ihrer Gründung 1993 hat sich die Zeitschrift dem Einfluss der Technologie auf Wirtschaft, Politik und Kultur verschrieben. Zu den Säulenheiligen der Redaktion gehört nicht zufällig Marshall McLuhan – die Message des Mediums lautet nun: die Zeit ist reif für E-Paper. Damit bleibt man in der Tradition als Trendsetter. Schon öfter wurden vom Verlagsort San Francisco aus nicht nur mediale Hypes angeschoben, sondern auch gleich die passenden Begriffe dafür geprägt – siehe etwa „Crowdsourcing“ oder „Long Tail„. Im Internet ist Wired natürlich auch schon präsent – in Verbindung mit einem ganzen Konglomerat an Techie-Blogs Gadget Lab, Wired Science oder Danger Room. Wired als erstes echtes E-Mag für E-Reader mit Farb-Display wäre ein weiterer Meilenstein – wenn es bis 2010 wirklich die passenden Geräte gibt.

Unterstützt die nächste E-Reader-Generation genügend „Rich Design“-Features für eine echtes E-Mag?

Die neue Wired-App für E-Reader kommt mit Features, die mittlerweile für Web-Nutzer schon zum Standard geworden sind: animiertes Umblättern, Zoomfunktion, Videos und Hyperlinks ins Netz der Netze. Wired-Chefredakteur Chris Anderson hofft, die nächste E-Reader-Generation werde möglichst viele „Rich Design“-Elemente unterstützen, die im Magazin-Journalismus üblich sind. Bisher war die Zeitschriften-Branche weder vom Web noch von E-Ink-Displays besonders begeistert : „Die bisherigen Lösungen für E-Paper haben sich nicht bewährt und sind auf dem Rückzug – niemand will am Bildschirm lesen indem er laufend rein und raus zoomt“, so beklagte unlängst Michael Himmelstoß, Verlagsleiter Fachzeitschriften beim Carl Hanser Verlag, gegenüber Buchreport. Auch von E-Ink hält Himmelstoß bisher nicht viel: „Die aktuellen Reader, wie der Kindle von Amazon oder der Sony-Reader, sind für Zeitschriftencontent nicht geeignet.“ Technische Verbesserungen erwartet der deutsche Experte erst „in einigen Jahren“. Ob die Zeitschriftenbranche angesichts von Rückgängen von bis zu 25% bei den Werbeumsätzen wirklich noch so lange warten kann, ist allerdings fraglich. Das zeigt die Offensive von Condé – denn dort hofft man offenbar, großformatige und farbige Anzeigen in der E-Version des Wired-Magazins platzieren zu können.

Wie die Zukunft von Lifestyle-Magazinen auf mobilen Geräten aussieht, kann man schon jetzt auf dem iPhone sehen

Die Anzeigenkrise im Printbereich hat auch diesen Verlag schwer getroffen. Im September 2009 musste Condé sein Gesamtbudget um 25% kürzen – hunderte Mitarbeiter wurden entlassen, ein halbes Dutzend Magazin-Titel sind inzwischen eingestellt worden. Das mehr als hundert Jahre alte Magazin „House and Garden“ war sogar schon Ende 2007 unter die Räder gekommen. Ob die Zukunft der Lifestyle-Zeitschriften tatsächlich auf den Displays mobiler Geräte liegen wird, kann man übrigens schon jetzt beurteilen. Für iPhone-Nutzer gibt es eine Sneak-Preview en miniature aus dem Hause Condé Nast – die neueste Ausgabe des Hochglanz-Titels „GQ“ (Gentleman’s Quarterly) kann man seit dieser Woche im App Store für 3 Euro 99 herunterladen. Erster Eindruck: schön bunt, intuitiv zu benutzen, aber eben auch ganz schön klein. Für echten Lifestyle braucht man wohl tatsächlich ein größeres Display…