Ächz! Keuch! Stöhn! Amazon kauft ComiXology, das iTunes für E-Comics

Amazon rundet das mediale Imperium ab – hardwaretechnisch mit Kindle Fire TV & dem Kindle Phone, softwaretechnisch mit dem Einstieg in die Welt der Comic-Apps. Mit dem Kauf von ComiXology schnappt sich Supermann Jeff Bezos nämlich den US-Marktführer für bunte Bildergeschichten. Ende 2013 feierte das in New York ansässige Unternehmen den 200-millionsten Download, im App-eigenen E-Store sind mehr als 40.000 Titel lieferbar.

Bis auf weiteres werden die ComiXologen auch an der Ostküste bleiben, & die App soll zunächst einmal als Stand-alone-Anwendung weiterexistieren. Mittelfristig könnte aber zusammenwachsen, was scheinbar auch zusammen gedacht werden muss: Gegründet wurde ComiXology im Jahr 2007, also zur selben Zeit, als Amazon mit dem Kindle Reader den E-Book-Boom auslöste. Zunächst als Online-Community gestartet, mit der lokale Comichändler ihre Digitalpräsenz verbessern konnten, folgte 2009 der Sprung ins E-Comic-Business – ComiXology launchte die erste iPhone-App für Apples neuen App-Store.

Durch die „Guided View Technology“ war ComiXology der Konkurrenz von Anfang an einen Schritt voraus. Statt einen Comic komplett in Einzelbilder aufzulösen, bleibt der klassische Seitenaufbau erhalten – der Leser bewegt sich automatisch von Panel zu Panel durch die Geschichte. Mit der iPad-App ließen sich ab 2010 aber auch sehr bequem komplette Seiten anzeigen – das 9,7-Zoll-Display kommt sehr nahe an das in den USA gebräuchliche Format für Comichefte heran.

Nicht nur „Discoverability“ war der Schlüssel zum Erfolg der App, sondern vor allem „Availability“ – denn viele Comicserien waren auch im Comicland USA zuvor nur in speziellen Comicbuchhandlungen erhältlich. „Cultofmac“ vergleicht den Erfolg von Comixology direkt mit dem Siegeszug von iTunes im Musiksektor: „In helping revive an industry that was almost dead on its feet, ComiXology has done for comics what iTunes did for legal music downloads“, schreibt Luke Dormehl dort.

Allerdings ist Amazon auf dem Gebiet von Comics auch nicht gerade untätig gewesen – siehe etwa das kürzlich gegründete Amazon-eigene Verlagslabel „Jet City Comics“ oder die „Kindle Comic Creator“-Software, mit der Autoren & Verlage ihre Vorlagen für den Kindle Shop aufbereiten können. Besonders wertvoll dürften neben dem nun eingekauften Know-How die B2B-Kontakte sein – denn während ComiXology anfangs nur Indie-Comics verkaufte, ist seit 2010 mit großen Verlagen wie DC oder Marvel auch die Superhelden-Industrie mit an Bord.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

Ein Gedanke zu „Ächz! Keuch! Stöhn! Amazon kauft ComiXology, das iTunes für E-Comics“

  1. Aktuell sind doch CBR`s das einzige Format welches sich einigermaßen verbreitet hat.
    Es gibt aber vermutlich nicht eines welches in diesem Format legal angeboten wird und das obwohl es eine recht gut entwickelte Infrastruktur für CBR und CBZ gibt.
    Zusätzlich sind Comics trotz Zuwachs beim legalen Absatz ein Nischenprodukt.
    Ich bin mal gespannt wie die da einen Fuß in die Tür bekommen wollen.

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