Acer LumiRead im Test: Kontrastreiche WiFi-Alternative zum Oyo-Reader

acer-lumiread-test-e-reader-wifi-wlan-barcode-scannerMit dem Acer LumiRead hat Libri einen Trumpf im Ärmel – der WiFi-fähige E-Reader hat beinahe Kindle-Qualität. Dank Qwertz-Tastatur, kontraststarkem Display und integriertem E-Store steht dem mobilen E-Book-Shopping nichts mehr im Weg. Kopfhörerbuchse, externe Lautsprecher & Lautstärkeregler machen das LumiRead auch zum guten Hörbücher-Player. Pünktlich zur Weihnachtssaison 2011 gibt’s den LumiRead in der WLAN/UMTS-Version bei Libri.de zum Preis von 139 Euro.

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Acers LumiRead geht optisch den Weg von Amazons Kindle

Der deutsche Kindle-Store kommt erst 2011. Die deutschen Buchhändler haben die Angebots-Lücke genutzt. Nach Thalias Oyo-Premiere bietet nun auch Libri mit dem Acer LumiRead drahtloses E-Book-Shopping. Damit sind in kurzem Abstand zwei E-Ink-Reader auf den Markt gekommen, die sich deutlich unterscheiden. Während Thalias kompaktes Lesegerät auf Touch-Screen-Funktionalität setzt, geht Libri mit dem LumiRead eher den Weg von Amazon. Prägendes Merkmal sind neben der Qwertz-Tastatur unter dem Display ein Trackpad und Umblättertasten am rechten bzw. linken Gehäuserand. Mit 250 Gramm ist die WLAN-Version des LumiRead vom Gewicht her fast genauso schwer wie das Kindle 3, von den Maßen her ähnelt er allerdings stärker dem Vorgängermodell Kindle 2. Bekannt vom Kindle ist auch die Slider-Taste zum Einschalten, die sich bei Libris Reader allerdings an der oberen Kante des Gehäuses befindet. Zum besonderen Komfort des LumiRead gehört es zudem, dass es auf der Geräterückseite nicht nur kleine, externe Lautsprecher gibt, sondern auch einen Lautstärkeregler. Während der Einschub für Mikro-SD-Karten niemanden überraschen dürfte, gibt es schließlich auf der Rückseite noch ein Detail, das äußerst ungewöhnlich ist: einen Barcode-Scanner, erkennbar am kleinen Kamera-Auge und einem Strichcode-Symbol daneben.

Kontraststarkes E-InkDisplay sorgt für angenehme Lektüre

Die E-Book-Lektüre mit dem LumiRead ist äußerst angenehm – durch ein Griffprofil auf der Rückseite liegt der Reader gut in der Hand, das kontraststarke Display mit 16 Graustufen und rasche Seitenwechsel sorgen für E-Lesekomfort. Im Gegensatz zum Oyo-Reader ist der Hintergrund deutlich heller, die Buchstaben sind auf dem E-Ink-Display deutlich besser lesbar. An den Kontrast des Pearl-E-Inks wie im Kindle 3 kommt der LumiRead allerdings nicht ganz heran. Über die mit dem Kürzel „Aa“ gekennzeichnete Funktionstaste kann bei epub-Dokumenten direkt zwischen fünf Schriftgrößen auswählen. Die Schriftart lässt sich in der aktuellen Firmware-Version leider nicht verändern. PDF-Dokumente lassen sich zoomen, dank automatischem Seitenumbruch bleiben sie trotzdem gut lesbar. Via Menütaste am rechten Rand des Keyboards kann man zudem weitere Textfunktionen auswählen: Lesezeichen setzen, Anmerkungen machen sowie den Text nach Stichworten durchsuchen. Bei englischen Texten kann man zudem markierte Worte im vorinstallierten Wörterbuch nachschlagen.

Virtual Bookshelf mit Blumenvase & Buddelschiff

Ausgeliefert wird der Acer LumiRead mit Quickstart-Guide, USB-Ladekabel und Steckdosenadapter. Dazu kommt noch eine CD mit der für Laptop oder Desktop gedachten „Acer Ebook Manager“-Software. Was gleich beim ersten Einstöpseln des Ladekabels auffällt: der Reader hat keinen Standard-Mikro-USB-Port. Nach dem ersten Hochfahren kommt die Reader-Taufe – in einem Menu muss dem Gerät ein Name gegeben werden. Anschließend landet man auf dem Desktop, passenderweise ein virtuelles Bücherregal. Im Werkszustand sind die Regale noch mit kleinen Platzhaltern gefüllt, von der Blumenvase bis zum Buddelschiff. Die wichtigsten Menüpunkte sind als Buchcover gestaltet: die persönliche E-Book-Bibliothek, die E-Book-Wunschliste, ein englisch-deutschesWörterbuch, die Bedienungsanleitung und eine Liste mit 16 aktuellen Leseproben. Ebenso leicht wie E-Books lassen sich vom Desktop des LumiRead aus auch MP3-Dateien öffnen -- sie werden auf dem virtuellen Bücherregal je nach Titel zwischen den Buchcovern eingereiht. Besonders für eine gemischte Bibliothek aus elektronischen Büchern und Hörbüchern dürfte das eine gute Idee sein.

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Notwendige Schritte auf dem Weg zum E-Store

Um den eingebauten E-Store nutzen zu können, sind ein paar Konfigurationsschritte notwendig, bei denen die Qwertz-Tastatur eine gute Hilfe ist. Zunächst muss das WLAN eingerichtet werden. Sobald der LumiRead online ist, können sich Libri-Kunden mit ihren Login-Daten in der elektronischen Buchhandlung anmelden. Die Startseite des E-Stores ist nicht ganz so liebevoll gestaltet wie beim Oyo-Reader, Buchcover sind dort überhaupt nicht zu sehen. Die Textansicht ist außerdem etwas klein geraten. Drei Bereiche mit je drei Links bekommt man präsentiert: E-Book-Bestseller, E-Book-Neuheiten, sowie E-Book-Kategorien. Wer gezielt nach Titeln recherchieren möchte, findet zudem ein ganz oben auf der Startseite eine Suchleiste. Um E-Books kaufen zu können, braucht man eine Kreditkarte. Die Zahlung per Lastschrift war zum Zeitpunkt unseres Tests noch nicht verfügbar. Kauft man kopiergeschützte E-Books, wird zudem vor der allerersten Lektüre
nach der Adobe-ID gefragt. Via Desktop oder Laptop bei anderern Anbietern geshoppte E-Books lassen sich über das USB-Kabel ebenfalls auf den LumiRead übertragen. Die mitgelieferte „Acer eBook Manager Software“ ist dafür nicht zwingend notwendig, mit dem Desktop-Manager von Adobe Digital Editions geht es genauso gut.

Vom World Wide Web zum Ad-Hoc-Netzwerk

Auch das World Wide Web steht dem LumiRead-Nutzer offen – natürlich mit allen Einschränkungen, die bei einem E-Ink-Reader zu machen sind. Über die mit einem kleinen Globus versehene Funktionstaste am linken Keyboardrand kommt man direkt in das Startmenü des integrierten Browsers. Hier kann man einen Suchbegriff eingeben und auf das „Google“ oder „Wikipedia“-Schaltfeld klicken, oder eine Webadresse eintippen und „Go to URL“ wählen. Teile von Webseiten lassen sich in einer vereinfachten Ansicht anzeigen oder zur späteren Lektüre herunterladen. Neben dem Browser gibt’s übrigens auch einen RSS-Reader. Abonnierte Feeds werden in einer Kurzübersicht gezeigt, die vollständigen Beiträge kann man nur im Browser lesen. Mehrere LumiRead-Nutzer zusammen können via WLAN-Schnittstelle vor Ort auch ein sogenanntes AdHoc-Netzwerk aufbauen – dann lassen sich über eine Freigabe-Option E-Books (ohne DRM) und sonstige Dokumente austauschen.

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Barcode-Scanner: Für ein Nice-to-have fast schon zu absurd

Ein besonderer Hingucker ist der LumiRead wohl vor allem wegen einer kleinen Kamera in der Gehäuserückwand. Die hat nur einen Zweck: als Barcode verschlüsselte ISBN-Nummern von Büchern einscannen. Mit etwas Übung gelingt das tatsächlich in wenigen Augenblicken. Die ISBN-Nummer wird dann via Internet-Verbindung – sofern lieferbar -- einem E-Book zugeordnet. Solche Trouvaillen werden in der „Wunschliste“ abgelegt und können dann bei Bedarf geshoppt werden. Das Eintippen des Titels via Keyboard im E-Store dürfte allerdings genauso schnell gehen. Der Barcode-Scanner ist eigentlich schon fast zu absurd, um noch als Nice-to-have-Feature gelten zu können. Vielleicht muss man ihn als symbolische Ätsch-Geste gegenüber den Gralshütern der Gutenberg-Galaxis sehen – der Barcode degradiert ja in gewisser Weise das gedruckte Buch vom Kulturgut zu einem Element reiner Warenlogistik.

Content & Komfort – zum vergleichsweise hohen Preis

Ingesamt hat Libri mit dem Acer LumiRead wohl auf das richtige Pferd gesetzt. Unzulänglichkeiten wie fehlende Fontwahl oder der etwas lieblos gestaltete E-Store lassen sich ja beizeiten noch beheben bzw. verbessern. Ein Rätsel bleibt zunächst auch das Abspielen von MP3s. In der Bedienungsanleitung findet sich dazu kein Wort -- zum Glück ist es in der Praxis denkbar einfach, und zudem dank externer, zehnstufiger Lautstärkeregelung mindestens so komfortabel wie beim Kindle. Auch beim Lesekomfort auf dem E-Ink-Display ist der LumiRead dem Kindle näher gekommen als Thalias Oyo – vor allem beim Kontrast. Das einzig wirklich störende am LumiRead ist zur Zeit noch der vergleichsweise hohe Preis. Vierzig Euro teurer als Thalias Reader, dreißig Euro teurer als das Kindle 3, das scheint etwas hoch gegriffen zu sein. Anders als bei der Abwägung zwischen Oyo und Kindle weiß man bei der Wahl des LumiReads aber zumindest eins – man bekommt deutschsprachigen Content und guten Kontrast.

PS: Wer die Arbeit von E-Book-News besonders unterstützen möchte, kann den Acer LumiRead direkt über unseren Libri-Partnershop bestellen -- und uns dann mit jedem E-Book-Kauf via E-Store eine kleine Provision bescheren.

Acer LumiRead Specs


Display

6 Zoll E-Ink, 600x800 Pixel, 16 Graustufen

Betriebssystem

Linux 2.6.28

Schnittstellen

USB, WLAN, UMTS (optional)

Prozessor

Freescale i.MX357

Interner Speicher

2 GB, erweiterbar durch Mikro-SD-Karte

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF, Mobi, HTML, Doc, etc.

Audio-Features

MP3-Player, 3,5 mm Kopfhörerbuchse

Extras

Barcode-Scanner

Preis

139 Euro WLAN plus UMTS (Libri.de)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

3 Gedanken zu „Acer LumiRead im Test: Kontrastreiche WiFi-Alternative zum Oyo-Reader“

  1. Sehr geehrtes e-book-news-Team,

    im folgenden Satz hat sich ein Fehler eingeschlichen: „Ingesamt hat Thalia mit dem Acer LumiRead wohl auf das richtige Pferd gesetzt.“

    Der Lumiread wird von Libri vertrieben und nicht von Thalia.

    Viele Grüße,

    Dominik Peters

  2. Pingback: newstube.de

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