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Abschiedspost vom Post-Amazon-Konzept: Lobos Sobooks-Plattform ist abgeschaltet

5 Jun 2018

sobooks-pivotZunächst die tldr;-Version: Der Versuch, mit der Social-Reading-Plattform Sobooks das E-Book neu zu erfinden, ist gescheitert — es gab nicht genügend Leser. Nun die Langversion: Als im Frühjahr 2013 die Tolino-Allianz verkündet wurde, wunderten sich so manche über einen illustren Gast: ausgerechnet Sascha Lobo zeigte auf der Start-Pressekonferenz Präsenz, und stellte den versammelten Buchhändlern und Telekom-Männern die kritische Frage: „Meinen Sie nicht, Amazon kann das besser?“

Hinter der Frage stand offenbar eine forsche These: „Ich kann das auch besser“. Denn ein paar Monate zuvor hatte Lobo angekündigt, einen „Verlag neuen Typs“ zu gründen, oder besser gesagt eine „Social Reading Plattform“, Codename: Sobooks. E-Books kaufen, E-Books lesen, E-Books kommentieren, all das sollte zukünftig im Browser stattfinden. Von der Buchbranche insgesamt hatten Lobo und sein Geschäftspartner Christoph Kappes zwar wenig Ahnung, vom (E-)Buchmachen und vermarkten immerhin schon. Und lautet nicht die Startup-Weisheit: Wer eine Branche hacken will, darf nicht zuviel Vorwissen haben?

„Zwei Größenwahnsinnige versprechen die Neuerfindung des Lesens“, verkündete damals folgerichtig das Startup-Magazin „Gründerszene“. Letztlich war es aber nur das konsequente Weiterdenken des E-Book-Konzeptes: wenn elektronische Lektüre ohnehin schon aus HTML-Seiten besteht, warum sollte man sie nicht gleich via Firefox oder Chrome lesen, ohne auf ein anderes Gerät oder in eine E-Reading-App wechseln zu müssen? Warum sollte man nicht all das bei der Lektüre machen können, das man auch aus der Blogosphäre bzw. der Social Media-Sphäre gewohnt ist?

Das E-Book, so wollten Lobo, Kappes et alii uns beweisen, kann mehr, als Amazon erlaubt, und ganz folgerichtig verstanden sie Sobooks denn auch als ein „Post-Amazon-Konzept“. Auch viele große und kleine Verlage waren dieser Meinung, und sprangen auf dieses Boot auf. Nur die Leser machten nicht mit — der E-Book-Markt in Deutschland wurde und wird von Amazon und Tolino beherrscht, trotz aller vielversprechender Experimente. Das Experiment Sobooks wurde nun abgebrochen — „Sobooks hat sich in der ursprünglich geplanten Form trotz solider Umsätze nicht als dauerhaft tragfähig erwiesen“, heißt es in der Abmoderation. Neben „technologie- und branchenbedingten Schwierigkeiten“ werden zudem „unternehmerische Fehlentscheidungen“ angeführt.

Statt Pleite wird dieses Fazit jedoch mit „Pivot“ überschrieben, also: Kurswechsel. Während einige der Sobooks-Macher nun ihre „persönlichen Erfahrungen mit E-Books und sozialer Interaktion“ nutzen wollen, um „ein Produkt im Bildungsbereich“ an den Start zu bringen, muss die E-Book-Avantgarde nun ihre Hoffnungen wohl auf mojoreads setzen – vor dem letzten „Pivot“ als Projekt log.os bekannt. Allerdings kämpft auch mojoreads mit demselben Problem: gibt es jenseits von Kindle Shop und Tolino-Allianz genügend Leser für ein alternatives Angebot?