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Abschied vom Lachs-Papier: Stellt die Financial Times in den nächsten fünf Jahren die Druckerpressen ab?

27 Mai 2010 0 Kommentare

finanical times ende der gedruckten ausgabe in fuenf jahren e-newspaper.gifSturm im Blätterwald: Innerhalb von fünf Jahren werde die Financial Times nicht mehr auf Papier erscheinen, ließ sich vor kurzem eine Managerin des FT-Mutterkonzerns Pearson zitieren. Steht der Abschied vom Papier für die prominente britische Wirtschafts-Gazette unmittelbar bevor? Immerhin beträgt die tägliche Printauflage zur Zeit international noch mehr als 400.000 Stück. Doch auch mit der Online-Ausgabe FT.com macht man mittlerweile Gewinn.

Für Ipadologen ist der Abschied vom Papier nur noch eine Frage der Zeit

Der Abschied vom Papier hat längst begonnen: „Da sitzen sie, die zwanzig Prozent der Käufer, die deutsche Tageszeitungen im vergangenen Jahrzehnt verloren haben“, schrieb Gundolf S. Freyermuth gerade in Folge 2 seiner „Ipadologie“ im Hinblick auf die jugendlichen Leser in U-Bahnen und Flughafen-Lounges, die auf die Displays von Smartphones, Netbooks und E-Reader starren. Die Migration der Information vom Analogen zum Digitalen hat tatsächlich viel mit den medialen Vorlieben der Internet-Generation zu tun. Genauso aber mit den ökonomischen Vorteilen für die Verlagsbranche, besser gesagt mit dem Kostendruck, der die Herstellung und den Vertrieb der „Holzmedien“ zum Defizitgeschäft gemacht hat.

Schluss mit dem lachsfarbenen Papier: „The Sunset is going to be in about five years“

Doch das wirkliche Ende der Printmedien vorherzusagen ist ungefähr so leicht wie eine Prognose zum Peak Oil, dem Fördermaximum der Erdölindustrie, von dem ab es nur noch abwärts gehen kann. Madi Solomon hat es trotzdem einmal versucht, zumindest für die Financial Times. Gegenüber paidcontent.org schätzte die für „Global Content Standards“ zuständige Managerin des FT-Mutterkonzerns Pearson: „The sunset is going to be in about five years“. Das lachsfarbene Zeitungspapier der Financial Times wecke zwar bei vielen noch nostalgische Gefühle, und man werde die Printausgabe nicht vollkommen einstellen, aber: „They will certainly pull back – in fact, they’re already pulling back.” Bei Paidcontent stellte man bei der Gelegenheit gleich mal ein kleines Ranking auf, welche Verlage ähnliche Hausnummern für das Ende der Gutenberg-Galaxis genannt haben: Beim Guardian etwa ging Herausgeber Alan Rusbridger bei der Einweihung des neuen Druckhauses im Jahr 2005 davon aus, man werde die Maschinen noch etwa für zwanzig Jahre brauchen können. Bei der Times schätzte John Witherow die Restlaufzeit der 2008 gestarteten Druckerei auf dreißig bis vierzig Jahre. Druckmaschinen als flexible „Brückentechnologie“ in die Zukunft?

Vielleicht ist das Ende der gedruckten Zeitung doch noch nicht ganz so nah…

Ähnlich wie bei Kohle- oder Atomkraftwerken sind solche Voraussagen offenbar mit Vorsicht zu genießen. Es gibt schließlich auch prominente Gegenbeispiele. Der amerikanische Seattle Post Intelligencer etwa hat das Drucken bereit im letzten Jahr eingestellt – zugunsten einer inhaltlich reduzierten Online-Ausgabe. Andere US-Blätter sind beschleunigt durch die Wirtschaftskrise komplett von der Bildfläche verschwunden. Mit dem iPad bekommt der Übergang noch mal zusätzliche Geschwindigkeit – auch in Deutschland haben alle größeren Medienhäuser in den letzten Monaten fleißig an eigenen Apps gebastelt. “If cheap, flexible screen technology really takes off, then I do think print’s years are numbered,” zitiert PaidContent Jon Bentley, den Online-Chef bei Incisive Media. Wann genau das so sein wird, darüber kann man auch weiterhin streiten. Beim Mutterkonzern der Financial Times tut man das offenbar auch: denn kaum war die Prophezeiung vom Ende der gedruckten Zeitung innerhalb von fünf Jahren in der Welt, ruderte ein Pearson-Sprecher gleich wieder zurück: “We’ve got no plans to scale back the print operations. We’ve got 23 print sites, we are opening new ones“, korrigierte man die Aussagen von Madi Solomon. Doch nach einer echten Garantie für die FT klang das letztlich auch nicht. Hinzugefügt wurde nämlich: man werde über das Abschalten der Druckerpressen „von Fall zu Fall“ entscheiden.

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