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Abklingphase nach der Sprunganregung: E-Reading & die Zukunft des Hype Cycles

22 Aug 2017 2 Kommentare

hypecycleWenn man den Hype Cycle irgendwo auf dem aktuellen Gartner Hype Cycle eintragen würden, dann wahrscheinlich auf dem Weg vom „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ in das „Trogtal derEnttäuschungen“. Denn die jährliche Momentaufnahme zeigt ein mehr oder weniger bekanntes Bild — ernstzunehmende Hypes brauchen eben meist länger als ein Jahr, um sich auffällig weiterzuentwickeln. Die Blockchain allerdings hat es erwischt — sie ist (zu recht? zu unrecht?) jetzt in den Sturzflug übergegangen, eingeklemmt zwischen „Cognitive Computing“ und kommerziellen unbemannten Drohnen.

Immer noch auf dem aufsteigenden Ast dagegen befinden sich „Emerging Technologies“ à la 4D-Printing, Smart Robots, Smart Workplaces, virtuelle Assistenten, Hirn-Computer-Schnittstellen und Quanten-Rechner. So richtig enthypet und verwertungsfähig ist bis auf weiteres nur die virtuelle Realität, die Augmented Reality könnte es bald geschafft haben.

Mit der Buchbranche scheint das auf den ersten Blick alles gar nichts zu tun zu haben… E-Reading, E-Publishing und der elektronische Buchhandel sind, zumindest gemäß Gartner, längst jenseits von Gut und Böse. Auf den zweiten Blick jedoch sieht es schon wieder etwas anders aus — denn viele der neuen Technologien werden natürlich auch die Art und Weise verändern, wie wir Bücher finden, kaufen und lesen.

Deep Learning-Algorithmen verbessern die Buchempfehlungen, sprachgesteuerte virtuelle Assistenten helfen beim Einkaufen oder spielen auf Zuruf ein Hörbuch ab, Drohnen lassen den bestellten Brockhaus zielgenau über der Terrasse direkt in den Liegestuhl fallen, und die Buchstütze dazu kommt aus dem Drucker. Vielleicht kommt über das Brain-Computer-Interface eines Tages sogar der digitale Zwilling von Jeff Bezos ins Haus und besucht die Premium-Kunden im Traum.

Die große Frage bleibt, ob die Buchbranche selbst zukünftig auch eigene Hypes erzeugen kann, oder nur wie ein Stück Treibholz im breiten Strom der Emerging Tech vorangetrieben wird. Und wird es mehr als nur ein Retro-Hype sein, entstanden durch die wachsende Differenzerfahrung zwischen alten und neuen Medien? Vielleicht so etwas schön hybrides wie smarter Bücherstaub? Vorlese-Drohnen? Halluzinierte Lesebiographien?

2 Kommentare »

  • Jürgen Schulze schrieb:

    AM meisten gefällt mir immer noch den Quantencomputer, den es a) immer noch nicht gibt (nicht einmal in der Theorie) und von dem man nicht weiß, ob er b) jemals realisiert werden kann.
    Aber es gibt schon Betriebssysteme (theoretisch) und Programmiertechniken (na, klar!) für ihn.
    Lustig, oder?
    Quantencomputer sind sozusagen das technische Pendant zur Homöopathie: absolut wirkungsfrei und jeder kann mitreden.