8000-Zeichen-Plagiat: Dotbooks-Verlag schreibt bei E-Book-News ab

„Those who can, do. Those who you can’t, review.“ Doch was macht man, wenn man keine Review schreiben möchte? Man schreibt ab, ohne den Urheber zu nennen. In der Gutenberg-Galaxis nennt man das auch Plagiat. Sehr bequem, weil schnell und kostenlos. Aber sehr peinlich und oft teuer, wenn es herauskommt. Deswegen wunderten wir uns doch sehr, was da bei der Vorbereitung eines Artikels über den Münchner Dotbooks-Verlag herauskam: auf der Website des auf E-Books spezialisierten Startups wurde eine komplette E-Reader-Marktübersicht aus der Feder des E-Book-News-Chefredakteurs ungefragt übernommen, mit stellenweise leicht verändertem Text, und ohne Namensnennung oder Backlink. Der 8000 Zeichen (!) lange Text erschien ursprünglich Anfang Mai als Gastbeitrag auf Neuerdings.com, und war dort eindeutig mit Autorennamen gekennzeichnet. „Wir helfen weiter mit einer aktuellen und umfassenden Marktübersicht“, behauptet nun auf dotbooks.de der Anreißer.

Wer seid ihr, anonymes „wir“? Nach dem kürzlich schon der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bei E-Book-News abgeschrieben hat, nun also auch ein Verlag. Was sagt uns das eigentlich über die Gutenberg-Galaxis? Wahrscheinlich nichts, was man nicht schon wüsste. Es wird überall gespart, bis es quietscht. Schlecht bezahlte Autoren, noch schlechter bezahlte Lektoren, hundsmiserabel bezahlte Übersetzer (ich weiß schon, warum ich englische Texte nur noch im Original lese – siehe „Steve Jobs verwandelte Silikon zu Gold“, etc.), und nicht zuletzt auch noch lächerlich gering vergütete Volontäre und Praktikanten, die dann Websites mit plagiierten Inhalten füllen. Umso schlimmer, wenn dann auch noch Verlage abkupfern, die wie Dotbooks eigentlich alles richtig machen – und auf E-Book-First setzen. Und letztlich auch deswegen sehr bedauerlich, weil viele Texte auf E-Book-News unter Creative Commons Lizenz erscheinen – man darf sie übernehmen und bearbeiten, wenn man die Lizenzbedingungen einhält. Dazu gehört u.a. die Namensnennung.

Die E-Reader-Marktübersicht wurde allerdings nicht auf E-Book-News selbst veröffentlicht, und stand unter normalem Coypright. Dotbooks hätte also für eine Nutzung auf jeden Fall eine Erlaubnis einholen müssen, und für die Veröffentlichung auf der Verlags-Website wäre natürlich auch eine Vergütung ausgehandelt worden. Wir haben deswegen jetzt eine angemessene Honorarforderung nach München geschickt – als Vergütung für die nicht autorisierte Zwischennutzung, sowie auf Wunsch für die Nutzung des Original-Artikels. [Update, 10.7.2012, 16 Uhr: Inzwischen hat sich die Sache aufgeklärt, die überarbeitete Fassung ist jetzt von uns autorisiert worden, erhält Autoren-Credit sowie Backlink und es gibt auch eine Vergütung in dreistelliger Höhe.]

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".