„50 Prozent unrealistisch“: Stoppt E-Book-Boom in USA bei 30 Prozent Marktanteil?

Bis vor kurzem schien der E-Book-Boom in den USA ungebremst, und manche Beobachter prognostizierten bereits eine baldige 50/50-Teilung des Marktanteils (gemessen am Umsatz) in Digital und Print. Doch seit 2012 flacht sich die Wachstumskurve deutlich ab, bei elektronischer Lektüre ebenso wie bei klassischen E-Readern. Auf einer Verleger-Konferenz in Nashville postulierte nun Buchmarktexperte Peter Hildick-Smith (Codex Group): „50 Prozent sind wohl nicht machbar, wenn man die Dynamiken der Mediennutzung wie auch die Leserstatistiken betrachtet“. Stattdessen erwartet Hildick-Smith eine Stabilisierung der Umsatzanteile auf deutlich niedrigerem Niveau: „Bis 2014 werden wir bei 29 Prozent liegen, und das Gesamtverhältnis wird sich bei 30 zu 70 einpendeln“.

Das wären endlich mal gute Nachrichten für eine Branche im galoppierenden Strukturwandel – wobei immer wieder neue Kipp-Punkte erreicht wurden. So ließ etwa die Pleite der Buchhandelkette Borders zehntausende Quadratmeter Verkaufsfläche wegbrechen, was mangels örtlicher Alternativen dem Online-Handel zusätzlich in die Hände spielte. Andere Dynamiken wiederum können sich zugleich aber bremsend auf den Vormarsch des E-Books auswirken – so muss etwa die elektronische Lektüre auf den kräftig durchstartenden Tablets mit anderen Medienformaten wie Musik oder Video konkurrieren. Alles zusammengenommen keine gute Voraussetzung, um die Zukunft des Buchmarktes ausreichend exakt vorherzusagen.

Hildick-Smith selbst hat seine Prognose auch mit einigen Vorbehalten versehen. So hängt die Marktstabilisierung u.a. davon ab, ob es den Amazon-Konkurrenten Barnes&Noble und dessen Filialnetz auch in Zukunft geben wird. Bricht die letzte verbliebene Mega-Buchhandelskette ebenfalls zusammen, werden die Karten noch mal ganz neu gemischt. Eine wichtige Rolle spielen zudem die Buchpreise – bisher wirkten sich vergleichsweise hohe E-Book-Preise für die aktuellen Bestseller der großen Verlage bremsend auf den E-Lese-Boom aus. Gelingt es Amazon, die Preise weiter nach unten zu drücken, dürfte das Printbuch zusätzliche Marktanteile verlieren. Als ein besonders dynamischer Faktor könnte sich in diesem Zusammenhang das Self-Publishing erweisen – denn Indie-Titel sind besonders günstig zu haben, und das lässt dieses Marktsegment stark expandieren.

(via digitalbookworld.com)

Abb.: flickr/Wiertz Sébastien (cc-by-2.0)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".