50 Dollar-Schwelle für Sternchen-Vergabe: Amazon.com erschwert Fake-Bewertungen

amazon-erschwert-fake-rezensionenEs gibt zwei Kriterien für beliebte bzw. gute Produkte auf Amazon: die Zahl der Bewertungen (Amazons Echo-Konsole etwa hat mehr als 30.000), und die durchschnittliche Zahl der Sterne, deren Skala im Bewertungssystem von eins bis fünf reicht. Das Problem ist allerdings: viele Kundenrezensionen sind bezahlte Fakes oder sogenannte „Gefälligkeits“- bzw. „Incentive-Bewertungen“, die mit kostenlosen oder rabattierten Produkten belohnt werden – eine auch im E-Book-Bereich gängige Marketing-Methode. Im Kampf gegen die Fake-Bewertungen hat Amazon.com jetzt aber die Nutzungsbedingungen verschärft: wer Sterne vergeben möchte, muss zukünftig mindestens Produkte im Wert von 50 Dollar über sein Kundenaccount erworben haben. Bisher lag diese Schwelle bei 5 Dollar.

Zum Nachteil für Neukunden

Es wird also teurer, Fake-Accounts zu betreiben. Trotzdem erntet Amazon mit diesem Schritt auch Kritik: Der Branchenblog des Online-Händlerbundes etwa moniert: „Wer es ernst nimmt, die eigenen Produkte zu bewerten oder fremde Produkte abzuwerten, dem dürften 50 Dollar nicht sonderlich stören.“ Gleichzeitig könnten Neukunden nun ihren ersten Einkauf nun nicht mehr bewerten.

Incentive-Bewertungen bei Amazon.de

In Deutschland sind die Regelungen bis auf weiteres deutlich lockerer. Rezensieren darf auf Amazon.de laut AGB jeder Käufer, der „mindestens ein Produkt oder eine Dienstleistung“ erstanden hat. Außerdem bleiben die mit Belohnungen eingeworbenen „Gefälligkeitsbewertungen“ nicht nur erlaubt – das Unternehmen fördert sie sogar aktiv in Form des „Vine – Club der Produkttester“.

Die Reviews dieser „Produkttester“ werden von Amazon.de mit einem grünen Band und dem Slogan „Kundenmeinung aus dem Amazon Vine-Club“ hervorgehoben – dass diese ganz speziellen Kunden ihre Produkte für umsonst oder mit Rabatt erhalten haben, wird jedoch nicht explizit erwähnt.

„Amazon Ratings are bullshit“

Weil solche Bewertungen im Durchschnitt positiver sind als die von normalen Käufern, steht Amazon schon seit längerem in der Kritik von Verbraucherschützern. TheNextWeb titelte Mitte September sogar: „Amazon-Ratings are bullshit“. Die Analyse des US-Dienstleisters Review Meta habe ergeben, dass 20 Prozent der Amazon-Bewertungen in Wirklichkeit Gefälligkeitsrezensionen darstellten, die durchschnittliche Bewertung werde durch sie von 4,4 auf 4,7 Sterne verzerrt.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".