„Lasst uns ein Jahr lang nur Bücher von Frauen veröffentlichen“

kamila-shamsieWas ist der beste Weg, einen Buchpreis zu gewinnen? Ganz einfach: ein männlicher Autor schreibt aus männlicher Erzählperspektive einen Roman, dessen Held ein Mann ist. Der zweitbeste Weg: dieselbe Geschichte, nur geschrieben von einer Autorin. Bücher von Frauen über Frauen haben dagegen kaum eine Chance. Das hat viele Gründe – angefangen bei männlich besetzten Jurys oder Verlegern, die vor allem Bücher vom Typ A einschicken.

2018 als „Year of Publishing Women“

Wie kann man das Problem lösen – soweit man das traditionelle Publishing-Modell nicht via Self-Publishing umgeht und statt Literatur-Preisen lieber die Kindle-Charts anpeilt, oder als Verlag ohnehin nur „She-Publishing“ betreibt? Die Guardian-Kolumnistin und Schriftstellerin Kamila Shamsie hat kürzlich eine radikale, aber wirksame Methode vorgeschlagen: sie rief via Guardian dazu auf, das Jahr 2018 zum „Year of Publishing Women“ zu machen. Besonders provokanter Programmpunkt dabei: „Keine Neuveröffentlichung in diesem Jahr sollte von Männern geschrieben sein“.

„Nur mit Höflichkeit kommt man nicht weiter“

2018 jährt sich nicht zufällig auch die Einführung des Frauenwahlrechts in Großbritannien: „Wir müssen von den Suffragetten lernen, dass man mit Höflichkeit bei solchen Kampagnen nicht immer notwendig oder hilfreich ist“, schreibt Shamsie. Falls manche Verlagshäuser sich der Kampagne nicht anschließen wollten, seien auch das Feuilleton, Buchhändler, Blogger und Festivals gefordet – sie müssten sagen: „In diesem Jahr haben Männer bei uns keine Chance“.

Erster britischer Verlag unterstützt die Kampagne

Zumindest ein kleiner britischer Verlag hat schon angekündigt, sich an der Kampagne zu beteiligen: „And other Stories“-Verleger Stefan Tobler sagte gegenüber dem Guardian: „Ich denke, es ist machbar – und wenn wir es nicht machen würden, wie sollte sich sonst etwas ändern?“

Abb.: Das blaue Sofa / Club Bertelsmann (c)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".