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20 Jahre Amazon: 5 Gründe, nicht zu gratulieren (& 5 weitere, es doch zu tun)

13 Jul 2015

Amazon-Startseite-Juli-1995Mit der Rabattschlacht am „Amazon Prime Day“ rückt auch ein runder Geburtstag näher: am 16. Juli 1995 wurde auf Amazon.com das erste Buch verkauft, der Legende nach handelte es sich dabei um Douglas R. Hofstadters „Fluid Concepts and Creative Analogies: Computer Models of the Fundamental Mechanisms of Thought“. Zu diesem Zeitpunkt war das Unternehmen noch in der Garagen-Phase, und alle paar Minuten verkündete ein Klingelton die nächste Buchbestellung. Bald musste der Ton dann abgestellt werden, denn es hörte nicht mehr auf zu klingeln, schon nach zwei Monaten machte das Startup aus Seattle 20.000 Dollar Umsatz pro Woche.

Zwanzig Jahre später sind daraus fast zwei Milliarden Dollar pro Woche geworden – und (nicht nur) die Buch-Branche wurde kräftig umgekrempelt. Ein Grund für Salon.com, Amazon Erfolgsgeschichte Revue passieren zu lassen, und dabei fünf Gründe herauszudestillieren, warum man Amazon-Gründer Jeff Bezos NICHT zum Geburtstag gratulieren, bzw. ein „unhappy birthday“ wünschen sollte.

  • Grund 1: Das Verschwinden der kleinen Buchhandlungen – nicht nur durch Innovation, sondern auch durch unfairen Wettbewerb (insbesondere Steuervermeidung)
  • Grund 2: Die schlechten Arbeitsbedingungen in den Logistik-Zentren – die „Book People“ von heute arbeiten zu „Sweatshop“-Bedingungen.
  • Grund 3: Amazon hat den Beruf des Autors zerstört – „die von Verlagen gezahlten Vorschüsse haben sich um mehr als die Hälfte verringert“
  • Grund 4: Amazon hat vor allem den kleineren Indie-Verlagen geschadet, indem es ihnen mit seiner Marktmacht ungünstige Liefer-Konditionen aufdrängt
  • Grund 5: Amazon hat (in den USA) ein Quasi-Monopol auf dem Buchmarkt

Letztlich ist Amazon natürlich nur ein Beispiel für den von Josef Schumpeter schon in den 1940er Jahren beschriebenen Prozess „schöpferischer Zerstörung“, der „unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert“. Genauso leicht lassen sich deswegen auch fünf Gründe finden, um Jeff Bezos zu gratulieren:

  • Grund 1: Amazon hat den kundenorientierten Online-Buchhandel perfektioniert, wenn nicht sogar überhaupt erfunden, und beschert der Branche jedes Jahr wachsende Umsätze
  • Grund 2: Der E-Book-Boom der letzten Jahre mit allen seinen innovativen Effekten für die gesamte Buchbranche wäre ohne Amazons einfach zu benutzenden Kindle-Reader und das große Angebot im Kindle-Store undenkbar gewesen
  • Grund 3: Amazon hat durch den großen Erfolg des Kindle-Readers zugleich dem Tablet den Weg bereitet und damit das Ende des klassischen PC-Zeitalters beschleunigt
  • Grund 4: Mit der zeitgleich zum Kindle gestarteten KDP-Plattform hat Amazon das Self-Publishing-Zeitalter eingeleitet und die Strukturen der Gutenberg-Galaxis demokratisiert
  • Grund 5: Mit Createspace hat Amazon für Self-Publisher und Indie-Verlage eine konkurrenzlos günstige und einfache zu nutzende Möglichkeit geschaffen, parallel zum E-Book-Verkauf auch vom Online-Vertrieb von Taschenbüchern zu profitieren

Abb. Startseite: Ian MacKenzie (cc-by-2.0)

Abb. oben: Amazon-Startseite am 16. Juli 1995