Home » Pro & Kontra

100 „Raubkopien“ pro Sekunde: Peter Sundes „Kopimashin“ verschiebt Copyright-Debatte nach dev/null

21 Dez 2015

kopimashin-peter-sundeWenn Urheberrechts-Verletzungen tatsächlich ein Kapitalverbrechen darstellen, dann darf Pirate-Bay-Mitgründer Peter Sunde als größter Verbrecher aller Zeiten gelten. Seine kürzlich vorgestellte „Kopimashin“ (siehe auch die Kopimism-Bewegung) kopiert nämlich Musik im ganz großen Stil: das aus einem Raspberry Pi und einem als Zähler dienenden LCD-Display bestehende Gerät vervielfältigt via Python-Skript unaufhörlich den Song „Crazy“ von Gnarls Barkely. Genauer gesagt: Hundert mal pro Sekunde, acht Millionen mal am Tag wird eine Kopie des Musikstücks nach /dev/null umgeleitet, also sogleich wieder verworfen.

Klingt crazy, und ist es auch. Denn dem Schweden geht’s um’s Prinzip: wenn mit jeder „Raubkopie“ tatsächlich ein realer finanzieller Schaden entsteht – das ist ja die Grundlage für eine endlose Kette von Prozessen, die u.a. auch den Pirate-Bay-Mitgründer und seine Mitstreiter betreffen – stellt die „Kopimaschin“ quasi eine ökonomische Weltzerstörungsmaschine dar. Auf etwa 10 Millionen Dollar pro Tag beziffert Sunde die potentiellen Verluste, die der Musikindustrie durch die automatisierten Urheberrechtsverletzungen entstehen.

Doch entstehen tatsächlich Millionenschäden!? „Ich möchte mit dieser Maschine zeigen, wie absurd es ist, einer solchen Kopie einen Wert zuzuweisen“, betont Sunde gegenüber Torrentfreak. „Es ist natürlich völlig klar, dass die Maschine überhaupt keine Gefahr für die Musikindustrie darstellt“. Der kruden Logik der Industrie zufolge müsste eine solche Maschine aber das Plattenlabel von Gnarls Barkely in den Ruin treiben.

Auch bei der juristischen Verfolgung der Pirate Bay-Mitglieder gehe es nicht um reale Schäden, sondern darum, die Leute zu disziplinieren und mundtot zu machen. „Die Schadensersatzforderungen hatten nie eine Grundlage, es gab gar keinen realen Schaden. Eigentlich hätten wir Geld bekommen müssen“, so Peter Sunde. Denn die Online-Piraterie hätte die Verkaufszahlen der Branche positiv beeinflusst.

Insgesamt will Peter Sunde ein Dutzend Kopimashins herstellen, u.a. für diverse Ausstellungen – denn auch der Prototyp ist ausdrücklich als Kunstprojekt angelegt, ähnlich wie etwa Peter Purgathofers Kindle-Kopierer aus Lego Mindstorm-Bauteilen. Eine sportliche Seite hat die Sache aber auch: die nimmermüde Kopimashin ist nach mehr als 100 Millionen „geraubten Kopien“ inzwischen Anwärterin auf einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde.