Home » E-Book-Handel, E-Book-Reader

„Wir bündeln Kindle-Books und Hardcover“: Britische Buchhandelskette Waterstones kooperiert mit Amazon

23 Mai 2012 Ansgar Warner 2 Kommentare

Waterstones scheint von der deutschen Muse Thalia geküsst worden zu sein: die britische Buchhandelskette setzt in Zukunft auf Multichannel – E-Reader und E-Books ergänzen das Angebot in den landesweit knapp 300 Filialen. Doch während Thalia.de derzeit angeblich mit Barnes&Noble verhandelt, schließen die Briten einen Pakt mit dem Branchen-Teufel. Waterstones-Chef James Daunt kündigte nämlich in einer Videobotschaft gerade eine „weit reichende Partnerschaft mit Amazon“ an. „Wir werden Kindle-Geräte und Kindle-Books in unseren Buchhandlungen und auf unserer Website verkaufen“. Dabei gibt sich Waterstones experimentierfreudig: so erwägt man offenbar, „Kindle Bundles“ anzubieten – Käufer von Hardcovern erhalten die E-Book-Version zum ermäßigten Preis. Kostenloses WiFi soll zudem gerade E-Leser in die Waterstones-Filialen locken. Für viele Beobachter war diese Wende ein echter Schock. Vor kurzem hatte Daunt selbst den Online-Riesen noch als „ruthless money-making devil“ bezeichnet.

“E-Reader ist die bequemere Alternative”

Wirklich überraschend kommt die britische Offensive in Sachen E-Books nicht: Das bisherige Geschäftsmodell schmilzt dahin wie ein Eisbecher in der Sonne. Die finanziell klamme Buchhandelskette musste bereits Dutzende Filialen schließen, 2011 wurde sie an einen russischen Investor verkauft. Statt ähnlich wie Thalia viel Geld in die Eigenentwicklung eines Readers zu investieren, verbündet man sich nun lieber gleich mit dem Marktführer. Die Krise des Kerngeschäfts wird dabei mit einer fast identischen Rhetorik verbrämt: „Geben wir das gedruckte Buch auf zugunsten des E-Books? Überhaupt nicht. Elektronische Lektüre ist eher eine Ergänzung zum physischen Buch, sie kann die taktile Erfahrung mit Büchern in der Buchhandlung oder zu Hause nicht ersetzen“, so James Daunt in seiner Videobotschaft. Die Marschrichtung lautet also Multichannel: „Man muss aber zugeben, dass manchmal ein E-Reader die bequemere Alternative ist, etwa unterwegs. Deswegen ermöglichen wir unseren Lesern jetzt, in der Buchhandlung die für sie jeweils beste Variante zu wählen.“

Amazon-Deal als neue Option für Thalia?

Fast wortgleich verkaufte vor zwei Jahren die deutsche Buchhandelskette Thalia ihre Entscheidung, mit dem Oyo einen eigenen WiFi-Reader mit integriertem E-Store anzubieten. „Für den Kunden ist es wichtig, egal wann oder egal wo er ist, Lösungen aus einer Hand geboten zu bekommen“, hieß es damals. Die Geräte wurden nicht nur online, sondern auch in den Filialen vor Ort verkauft. Mit dem TouchMe kam vor kurzem noch eine Low-Cost-Variante mit farbigem Touch-Screen dazu. Dauerhaft punkten gegenüber Amazon konnte Thalia damit jedoch nicht – die Eigenentwicklung war technisch dem Kindle-Reader deutlich unterlegen. Verluste im Print-Geschäft konnte das Multichannel-Konzept auf die Schnelle offenbar auch nicht kompensieren. Zwischenzeitlich stand die zur Douglas-Gruppe gehörende Buchhandelskette zum Verkauf, und manche spekulierten sogar schon auf eine Übernahme durch Barnes&Noble. Dann kam eine Kooperation ins Gespräch – doch der Waterstones-Deal könnte eine neue Dynamik entfachen. Ob am Ende in den Thalia-Fialialen nicht Nooks, sondern Kindles verkauft werden, scheint noch nicht ausgemacht.

Abb.: Screenshot

2 Kommentare »

  • Daniel Lenz schrieb:

    Also Thalia hat nicht bestätigt, mit B&N zu verhandeln….

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    …aber natürlich auch nicht dementiert. Deswegen habe jetzt noch das Wort “angeblich” eingefügt…