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„Triple Wow, two thumbs up“: Kindle 3 erntet euphorische Testberichte – aber auch Detailkritik

25 Aug 2010

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„Triple Wow, Five Stars. Two Thumbs Up“ – die ersten Kindle 3-Reader haben Tester in den USA deutlich beeindruckt. Nach einigen positiven Hands-On-Berichten kann Amazons neuestes Lesegerät damit nun auch im Dauertest überzeugen. Das Kindle 3 ist kleiner, leichter und zugleich besser ausgestattet als sein Vorgänger – etwa mit kontrastreicherem Display, längerer Akkuleistung und verdoppeltem Speicherplatz. Für besondere Aufmerksamkeit sorgt auch der Preis. Mit 139 $ ist die neue WiFi-Only-Version des Kindle 3 weit und breit der günstigste E-Reader mit Netzzugang. E-Book-News fasst hier die wichtigsten Testergebnisse zusammen.

Das kontrastreiche Display des Kindle 3 überzeugt alle Tester

Das Kindle 3 kommt, für die einen früher, für die anderen etwas später. Gerade hat Amazon neue Lieferdaten bekannt gegeben: Wer vor dem ersten August den Pre-Order-Button gedrückt hat, könnte das Lesegerät schon in der nächsten Woche in den Händen halten. Alle anderen müssen aber wohl noch bis weit in den September warten. Zahlreiche US-Tester haben Amazons neuesten Reader jedoch schon auf Herz und Nieren geprüft. Das auffälligste neue Feature ist natürlich das verbesserte E-Ink-Display mit Pearl-Technologie. Dessen deutlich verbesserte Kontrastleistung konnte man auch schon beim großen Bruder, dem 9-Zoller Kindle DX bewundern, das bereits seit etwa zwei Monaten ausgeliefert wird. Beim Kindle 3 ist die Wirkung auf die Tester vergleichbar: von „a thing of beauty“ spricht ireaderreview, Stephen Windwalker von Kindle Nation meint sogar, „nachdem ich eine Weile auf dem Kindle 3 gelesen haben, wundere ich mich, warum ich mich so selten über den schlechten Kontrast auf dem Kindle 2 beschwert habe.“

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Mehr Platz für Text: Kindle 3-Display mit neuem Layout

Ähnlich wie beim DX trägt allerdings auch das schwarze Gehäuse (laut Amazon: „Graphite“) zum Kontrasterlebnis bei. Die Tester von ireaderreview machen auf eine weitere „Sehenswürdigkeit“ aufmerksam. Der verfügbare Platz auf dem 6 Zoll großen Display wird beim Kindle 3 weitaus besser ausgenutzt: „Die Kopfleiste ist verschwunden, die Laufleiste befindet sich jetzt am Seitenfuß, und auch der Abstand zwischen der letzten Zeile und der Laufleiste wurde verkleinert. So passen nun bei Fontgröße 4 statt 15 Textzeilen bis zu 19 Textzeilen auf das Display.“ Wie bereits Melissa J. Perenson (PC World) bei ihrem ersten Hands-On-Report bemerkt hatte, kann der Leser jetzt zudem noch stärken Einfluss auf das Schriftbild nehmen: „Man kann endlich auch den Zeilenabstand wählen (small, medium, and large), und auch die Schrifttype (regular, condensed, sans serif)“. Positiv fiel in den Testberichten zudem der schnellere Page-Refresh auf, die gefühlte Reaktionszeit nach dem Drücken des Umblätterknopfes scheint sich deutlich verringert zu haben. Für viele Nutzer war die Trägheit der E-Ink-Displays bisher ja tatsächlich gewöhnungsbedürftig. David Carnoy von CNET weist darauf hin, dass man zwar vom Hoch- ins Querformat wechseln kann, diese Funktion allerdings nur über das Menu erreichbar ist. Im Gegensatz dazu sei die automatische Seitenausrichtung beim Kindle DX Standard, genauso wie beim iPad. Doch wenn man auch auf Tasten drücken muss beim Kindle 3 – Ergonomie und Geräuschentwicklung beim Tastenanschlag, so Carnoy, sei von Amazon spürbar optimiert worden. Dan Costa von PCMag betont zudem, Amazon habe erfreulicherweise den etwas schwer zu bedienenden Track-Point gegen einen leichtgängigen Richtungsknopf ausgewechselt.

Drahtlos glücklich: Die WiFi-Only-Version glänzt mit langer Akkuleistung

kindle3-e-reader-testberichte-roundup-reviewWas schon bei den Hands-On-Berichten auffiel, war natürlich auch die schlankere Form und das veränderte Gewicht. „Bei lächerlichen 241 Gramm in der WiFi-Version gibt’s keine Ermüdungserscheinungen im Arm, das Kindle 3 ist sogar leichter als viele Paperbacks“, so etwa Marc Chacksfield vom britischen TechRadar. Die 3G-Ausführung ist allerdings auch nur 6 Gramm schwerer. Ob man sich die UMTS-Version für 189 $ leistet oder zur WiFi-Only-Version für 139 $ greift, ist keine reine Preis- oder Geschmacksfrage. „Mit aktivierter Wireless-Funktion hält der Akku für zehn Tage, bei der WiFi-Only-Version sogar bis zu drei Wochen“, berichtet ireaderreview im ausführlichen Testbericht. Das liege auch daran, dass man beim teureren Modell keine Option hat, die UMTS-Verbindung abzuschalten und nur auf das drahtlose LAN zuzugreifen. Auch die Bandbreite dürfte übrigens ein Argument für WiFi only sein – „WiFi ist deutlich schneller als UMTS, so dass man schneller browsen und shoppen kann, und letztlich auch mehr Zeit zum Lesen hat“, so ireaderreview. Der verbesserte Browser macht dabei den Besuch der Amazon-Homepage viel komfortabler. Das gefiel besonders Stephen Windwalker (Kindle Nation): „Es ist viel einfacher geworden, auf den Amazon-Seiten eine Bestellung aufzugeben, Einstellungen auf der ‚Manage Your Kindle‘-Page zu ändern, oder überhaupt Texte auf den Seiten zu lesen. Langsam erfüllt Amazon das Versprechen, den Kindle-Reader zum wichtigsten Shopping-Portal des Unternehmens zu machen.“ Lob fand auch der spezielle „Artikel“-Modus des auf der Webkit-Engine basierenden Kindle-Browsers, mit dem sich die Ansicht einer Website auf die Textspalten begrenzen lässt, während Sidebars und anderes Bling-Bling ausgeblendet werden. Windwalker vergleicht den „Artikel-Modus“ mit Instapaper, schränkt aber ein: „Instapaper bleibt ungeschlagen in seiner Leistungsfähigkeit, Web-Content zu einem Digest zusammenzustellen, der sich dann in gut lesbarer Form auf das Display des Kindle-Readers bringen lässt.“

Kindle 3 als direkte Download-Plattform für Audible-Hörbücher

Erweiterte Multimedia-Funktionen wie auf dem iPad bringt das Kindle nicht mit. E-Ink ist immer noch schwarz-weiß, und ein Touchscreen hat Amazon der dritten Generation seines Readers auch nicht spendiert. Doch das Kindle ist zumindest nicht stumm. Schon bisher gab es auf Amazons Lesegeräten nicht nur die Text-to-Speech-Funktion, sondern auch die Möglichkeit, Musik, Podcasts oder Audiobooks zu hören. Der Kindle 3 ist nun zu einer Download-Plattform für Hörbücher von Audible avanciert. „Der Gebrauchsanleitung des neuen Kindle 3 zufolge kann man Hörbücher von Audible via Amazon kaufen und sie über die WiFi-Verbindung direkt auf den Reader laden“, so Stephen Windwalker. Ab September wird es im Kindle Store dafür offenbar eine eigene Rubrik geben. Wie ireaderreview bemerkt, ist das Kindle 3 zudem auch nicht taub: „Es gibt ein eingebautes Mikrofon, was Tür und Tor öffnet für Sprachsteuerung und freihändiges Lesen.“ Windwalker zufolge dürfte die Sprachsteuerung in Verbindung mit Text-to-Speech vor allem sehbehinderten Nutzern helfen. „Die sprachgesteuerte Text-to-Speech-Funktion erlaubt das Navigieren durch Menu-Optionen und Verzeichnisse, ohne das man dafür das Display lesen muss.“

Im Vergleich zum Nook sehen die Tester einige Usability-Mängel

Trotz aller Lobeshymnen gab es jedoch auch Kritik am neuen Kindle 3. Viele Tester waren etwa mit der Unterstützung des PDF-Formats noch nicht ganz zufrieden. Dan Costa von PCMag spricht bei der Formatfrage sogar von der Achilles-Ferse des Kindle-Reader. Bis auf weiteres setzt Amazon bekanntlich auf ein eigenes E-Book-Format. Das verhindert nicht nur das Shoppen außerhalb des Kindle-Stores. Die Ausleihe aus digitalen öffentlichen Bibliotheken fällt mangels Unterstützung des Brachenstandards epub natürlich ebenfalls flach. Nach Meinung vieler Tester fällt darum das Kindle 3 im Vergleich zum Nook von Barnes&Noble in punkto Usability doch etwas ab. Außerdem gibt es, wie ireaderreview kritisiert, im Gegensatz zum Nook beim Kindle keine Ausleih-(„LendMe“-)Funktion, mit der Leser E-Books untereinander für begrenzte Zeit austauschen können. (Stephen Windwalker allerdings lobt im Vergleich zu Apples iTunes die besseren Synchronisierungsfunktionen zwischen verschiednen Kindle-Geräten wie auch den Kindle-Apps auf Desktops, Tablets und Mobiles.) Weitere Negativpunkte betreffen die technische Ausstattung. Ähnlich wie bei mobilen Apple-Gadgets lässt sich etwa auch beim Kindle der Akku nicht selbst austauschen. Vermisst wird zudem ein Einschub für externe SD-Karten. „Auch wenn der Kindle 3 mit 4 Gigabyte jetzt doppelt so viel internen Speicher besitzt, wäre etwas mehr Flexibilität für viele Leute sicher wünschenswert“, so ireaderreview. Das Hauptproblem des bisherigen Kindle-Ökosystems betrifft US-Leser kaum – es gibt vor allem englischsprachige E-Books bei Amazon, und außer der neuen UK-Version bisher auch keinen weiteren nationalen Kindle-Store. Die von allen US-Testern einstimmig geäußerte Kaufempfehlung für Amazons Kindle 3 dürfte daher gerade für deutsche Kunden bis auf weiteres nur mit Einschränkung gelten.

Die wichtigsten Reviews im Überblick:



1. Dan Costa, PCMag:

„The latest edition’s improvements aren’t revolutionary, but the Amazon Kindle remains the best dedicated ebook reader on the market.“

2. David Carnoy, CNET

„The third-generation Kindle’s winning combination of noteworthy upgrades–an improved screen, better battery life, lighter weight, and lower price–vaults it to the top of the e-book reader category.“

3. Stephen Windwalker, Kindle Nation

„This Kindle 3 is a Triple Wow. Five Stars. Two Thumbs Up. And, because Amazon stays true to its core vision of catalog, convenience and connectivity for the Kindle, it is by far the best ebook reader ever made.“

4. ireaderreview

„The 1-sentence review would be – If you love to read, or want to read more, then the Kindle 3 is absolutely perfect unless you need support for library books.“