„The Right to E-Read“: Bibliotheken fordern Lizenz zum E-Lesen

„Welttage“ sind so etwas wie die Leitwährung der Aufmerksamkeits-Ökonomie. Siehe den gestrigen 23. April, wo fleißig für Content in fester („Welttag des Buches“) wie flüssiger Form („Welttag des Bieres“) geworben wurde. Einen tiefen Schluck aus der PR-Pulle gönnte sich auch der „Deutsche Bibliotheksverband“ – und forderte medienwirksam die „rechtliche Gleichstellung von E-Books und gedruckten Büchern“. Oder kürzer: „the right to e-read“. So der Claim der zeitgleich angelaufenen europaweiten Bibliothekskampagne. Denn neben fehlender steuerlicher Gleichberechtigung (Mehrwertsteuer!) hakt es oft schon beim Zugang zu elektronischer Lektüre.

Während Bibliotheken bei Büchern, DVDs oder CDs mit dem Kauf auch automatisch das Recht auf Ausleihe erwerben, ist eine ähnliche Regelung für E-Books im Urheberrecht bisher nicht vorgesehen – was u.a. daran liegt, dass elektronische Bücher nicht zurückgegeben werden können. Deswegen sind Bibliotheken darauf angewiesen, dass ihnen Verlage ausdrücklich digitale Ausleihlizenzen gewähren – was diese aber in vielen Fällen verweigern. Nicht nur aus Angst vor Raubkopien hat die „Onleihe“ noch viele Gegner: auch die automatische Vergütung der Rechteinhaber über die sogenannte „Bibliothekstantieme“ funktioniert derzeit nur bei Büchern aus Papier.

Das gefährdet nach Ansicht des Bibliotheksverbandes den Kernauftrag von Bibliotheken – der darin bestehe, allen BürgerInnen Bildung und Information „zu fairen, einfachen und kostengünstigen Bedingungen“ zu ermöglichen. Deswegen lautet die Forderung an die Bundespolitik: „Die Regelungen für den Verleih von Büchern müssen auch für nicht-körperliche Werke gelten“. Das Onleihe-Potential ist riesig: schließlich wurden alleine 2013 in öffentlichen Bibliotheken fast 500.000 Medieneinheiten ausgeliehen, zum größten Teil noch in physischer Form.

Der traditionsbewusste „Verband deutscher Schriftststeller“ hält die Ausweitung der Onleihe dagegen für eine Schnapsidee – und forderte zum „Welttag“ den „uneingeschränkten Schutz des Urheberrechts“ in bisheriger Form. Egal ob Buch oder E-Book, „die geistige, schöpferische Leistung“ sei stets dieselbe. Einen Interessengegensatz zwischen aktuellem Urheberrecht und Informationsfreiheit vermochten die organisierten Kreativen nicht auszumachen. Wichtig sei vor allem eins: „Der Zauber des Worts, die Magie der Sprachgewalt müssen auch weiterhin eine breite Leserschaft erreichen“. Wieso das ohne E-Books leichter zu erreichen ist, verrieten die Sprachgewaltigen aber nicht.

Abb.: flickr/pfv (cc)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

Ein Gedanke zu „„The Right to E-Read“: Bibliotheken fordern Lizenz zum E-Lesen“

  1. Im Zeitalter des E-Books sind stationäre (nicht digitale) Bibliotheken absolut überflüssig. Kein Mensch braucht eine verstaubte Altpapiersammlung in Buchform, deren Hortung nur Geld kostet. Aber jeder braucht halt seine Daseinsberechtigung, zumindest bis endlich die Rente ansteht.

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