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„Phone Hacking“: The Guardian bringt E-Book-Single zum Murdoch-Skandal heraus

5 Aug 2011 Ansgar Warner 0 Kommentare

Der Guardian experimentiert mit E-Book-Singles – die erste Publikation unter dem Titel „Phone Hacking“ versammelt Artikel, Kommentare und Analysen rund um den Murdoch-Skandal. Damit folgt die britische Tageszeitung dem Vorbild der New York Times: dort war mit „Open Secrets“ Anfang 2011 ein E-Book-Shortie zu Wikileaks und Julian Assange herausgebracht worden. „Phone Hacking“ ist für 2,99 Euro im Kindle-Store erhältlich, wird allerdings nicht explizit im Rahmen der Amazon-Single-Reihe veröffentlicht. Dieses spezielle E-Book-Programm vermarktet Texte mit einer Länge von maximal 5000 Worten, darunter etwa Kurzromane, Ratgeber oder Reportagen. Beim Guardian wird man sich an dieses Limit erklärtermaßen nicht halten – bis 30.000 Worte dürfen es schon mal sein. Neue „Guardian Shorts“ sollen zukünftig mehrmals pro Monat erscheinen, nicht nur im Kindle-Store, sondern auch via iBooks.

Murdoch & die „Rotten Apple“-Theorie

„The definitive guide to the phone hacking scandal, by the newspaper that broke the story“, wird die erste Guardian-Single-Veröffentlichung beworben. Das es sich bei der Hacking-Affäre nicht um einen normalen Scoop handelt, zeigt bereits die Chronologie der im E-Book dargestellten Ereignisse: sie beginnt im Jahr 2005. Damals wurde der News of the World-Reporter Clive Goodman verhaftet – weil er sich in Telefone von Prominenten eingehackt hatte. Viele Details der unappetitlichen Recherche-Praktiken im Hause Murdoch waren Lesern des linksliberalen Guardian seitdem kein Geheimnis mehr. Die Verdachtsmomente häuften sich, auch wenn Medienmogul Rupert Murdoch und seine Vasallen immer wieder gerne von „Einzelfällen“ sprachen (die „rotten apple“-Theorie).

“Rarely a single story had such a volcanic effect“

Der Wendepunkt der Affäre war um die Jahreswende 2010/2011 erreicht. Plötzlich begannen sich auch andere Blätter wirklich für die Story zu interessieren. Und Polizei und Justizapparat verstärkten ihre Ermittlungsarbeit. Auslöser des ganz großen Skandals war ein erneuter Fall von Telefon-Hacking: als herauskam, dass News of the World-Reporter Nick Davies die Mailbox eines Entführungsopfers angezapft hatte, war kein Halten mehr. Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger schreibt dazu in „How we broke the Murdoch Scandal“:

„Rarely has a single story had such a volcanic effect. Suddenly you couldn’t keep the politicians, journalists, police officers, and regulators off the TV screens. Police officers lined up to apologize for oversights and errors of judgment. M.P.s were suddenly saying very publicly things that, a fortnight earlier, they would only have whispered.“

Die Kapitel des E-Books im Überblick:

1. 1. One rotten apple? (2005-2007)
2. 2. Hear no evil, see no evil (July-November 2009)
3. 3. Drip, drip, drip (February-October 2010)
4. 4. The showbiz angle (December 2010-June 2011)
5. 5. Things fall apart (June-July 2011)
6. 6. How we broke the Murdoch scandal by Alan Rusbridger

Phone Hacking: How the Guardian broke the story
Kindle-Book 2,99 Euro
iBooks (angekündigt)

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