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„Pay-Wahl“ statt Pay-Wall: taz testet freiwillige Bezahlschranke

29 Nov 2012 Ansgar Warner 0 Kommentare

Andere Blätter machen kräftig Miese (FR), machen gleich dicht (FTD), oder verbarrikadieren sich hinter Bezahlschranken (Springer). Die Online-taz dagegen hält auch weiter am Prinzip „Kostenlos, aber nicht umsonst“ fest – immerhin spülte die freiwillige „taz-zahl-ich“-Kampagne seit Anfang 2012 knapp 40.000 Euro in die Kasse der alternativen Tageszeitung. Die Produktion der Online-Ausgabe schlägt allerdings mit mindestens 600.000 Euro pro Jahr zu Buch – die via Lastschrift, PayPal oder Flattr gespendete Summe trägt also bisher nur wenig mehr als fünf Prozent der Ausgaben. Ein guter Grund für die Macher der taz, seit kurzem eine neue Krautfunding-Strategie auszuprobieren – in Form einer über jedem zehnten Artikel aufpoppenden Pseudo-Paywall. Im Unterschied zu echten Bezahlschranken lässt sie sich jedoch wegklicken: „Statt einer Paywall bauen wir also eher eine Pay-wahl“, so Aline Lüllmann (taz.de).

Die „offensiv beworbene Möglichkeit des Zahlens von Kleinbeträgen“ (O-Ton taz.de) trägt offenbar erste Früchte: in wenigen Tagen zückten mehr als 1000 Leser die virtuelle Geldbörse. Manchen ging die Aktion jedoch ganz schön auf den Keks, denn die Popup-Paywahl unterscheidet nicht zwischen normalen Usern und bereits aktiven Unterstützern. Nach zahlreichen Beschwerden aus der taz-Community wurde deswegen ein Extra-Button hinzugefügt: Wählt man ab jetzt die Option „Ich zahle bereits regelmäßig“ aus, verschwindet die Paywall komplett, jedenfalls, solange der jeweilige Cookie gültig ist. Tatsächlich nimmt die taz mittlerweile den Löwenanteil der Spenden durch regelmäßige Zahlungen per Lastschrift ein. Im Durchschnitt zahlen User für dieses freiwillige Abo 5 Euro pro Monat.

Bei mehr als einer Million regelmäßigen Lesern von taz.de könnte dieses Modell theoretisch sogar eines Tages kostendeckend sein. Zumindest, wenn parallel die Zahl der regulären ePaper-Abonnements gesteigert werden kann, die den kompletten Inhalt der Print-Ausgabe bieten (derzeit: 3.500 ePaper-Abos gegenüber 45.000 Print-Abos). Hier liegt sogar eine Chance – denn die taz war immer schon ein zu drei Vierteln leserfinanziertes Blatt. In der Zwischenzeit wird die Digital-Sparte wohl auch für die alternative Tageszeitung ein Zuschussgeschäft bleiben. „Bisher war das Internet für die Zeitungsverlage ein einziger Irrtum“, beklagte sich im letzten Jahr noch taz-Geschäftsführer Kalle Ruch. In Zukunft setzt die taz übrigens verstärkt auf Kombi-Abos – vor allem die Bündelung von gedruckter Wochenend-Ausgabe (inklusive „Sonntaz“) und täglichem ePaper (16,90 Euro pro Monat) dürfte für viele Leser attraktiv sein.

Abb.: Screenshot

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