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„Optimize for 7-inch or die“: Kindle Fire fällt bei Usability-Test durch

7 Dez 2011

In punkto Benutzerfreundlichkeit ist Amazons Lesetablet Kindle Fire durchgefallen – zumindest beim Usability-Guru Jakob Nielsen. Der ließ im Rahmen einer qualitativen Studie vier Testpersonen mit dem neuen Gadget hantieren – und zeigte sich enttäuscht: „Das Kindle Fire bietet ein erbärmliches Nutzererlebnis“. Viele Anwendungen seien nicht an die „Zwischengröße“ eines sieben Zoll-Displays angepasst. Vom „Fat Finger“-Problem – also Tippfehlern durch zu kleine Menüs – bis hin zu zu schlecht lesbaren E-Magazinen und Performance-Mängeln beim Browsen reichten die negativen Erfahrungen. Amazon wie auch andere Hersteller müssten sich dringend um mehr Nutzerfreundlichkeit bemühen, fordert Nielsen: „7-Zoll-Tablets werden entweder eine großartige Zukunft haben oder gar keine.“

Zwischengröße sieben Zoll als Design-Problem

Man nennt ihn den Usability-Papst, den Usability-Zar oder auch den Usability-Guru. Was die Benutzerfreundlichkeit von Web-Anwendungen betrifft, kommt man an Jakob Nielsen nicht vorbei. Seitdem das Internet auf Mobilgeräte gewandert ist, knöpft sich der Experte für die Interaktion zwischen Mensch und Maschine auch die Touch-Screens von Tablets und Smartphones vor. Momentan interessiert sich Nielsen dabei für preisgünstige Sieben-Zoller, die von Amazon, Barnes&Noble oder Kobo jetzt auch als Lesegeräte auf den Markt geworfen werden. Die große Frage dabei ist: „Gleichen sie eher den Zehn-Zoll-Geräten wie etwa dem iPad oder doch eher 3,5 Zoll-Smartphones?“ Nielsen findet: ein bisschen von beidem. Und genau da liegt das Problem.

“Leseerlebnis bei E-Mags ist miserabel“

Denn die meisten Apps sind entweder auf große Tablets oder kleine Smartphone-Displays ausgerichtet. Sieben Zoller liegen genau dazwischen. Während Webseiten auf dem iPad noch sehr gut lesbar sind, reicht das Display beim deutlich kleineren Kindle Fire für eine optimale Darstellung oft nicht aus. Da beim Surfen mit dem Kindle Fire nicht automatisch die mobile Version angezeigt wird, rät Nielsen den Nutzern dazu, in den Browsereinstellungen die entsprechende Option zu aktivieren. Unzufrieden war der Usability-Guru aber auch mit E-Magazinen aus dem Amazon-Shop – „Das Leseerlebnis bei Magazinen könnte gut sein, es ist aber miserabel“. Neben Layout-Problemen kritisiert Nielsen vor allem fehlende Interaktivität. Die Qualität der Suchfunktion innerhalb von E-Mags erreiche nicht einmal ein Niveau, das AltaVista schon in den Neunzigern geboten habe.

Keine Knöpfe ist keine Lösung

Doch auch das Hardware-Design stieß bei Nielsen auf Unverständnis. Für ein sieben Zoll-Gerät sei das Kindle Fire viel zu schwer, für längere Lektüre müsse man schon die Unterarmmuskel von Popeye haben. Außerdem wundert sich der Experte über fehlende Bedienknöpfe: „Der Umgang mit Apps und Websites auf dem Kindle Fire ist nicht so effektiv wie auf anderen Geräten, denn es fehlen zwei wichtige physische Knöpfe: einer um auf das Home-Screen zurückkehren zu können und einer für die Lautstärkeregelung.“ Störend bei den Bedienfeldern auf dem Touch-Screen sei zudem das träge Feed-Back. Die lange Reaktionszeit würde die Illusion einer unmittelbaren Interaktion mit dem Gerät zerstören. Bleibt also noch einiges zu tun, nicht nur für Amazon. Denn Nielsen hält die Ergebnisse für allgemeingültig – Hersteller würden insgesamt zu wenig Rücksicht auf den Form-Faktor sieben Zoll nehmen. Um die kostengünstigen Mini-Tablets wirklich zum Erfolg zu machen, laute die Formel: „Optimize for 7-inch or die.“

Abb.: flickr/blogeee.net