„Niemand hat euch zum Schreiben gezwungen“: 9000 HuffPo-Blogger bleiben unbezahlt

Haben die HuffPo-Blogger einen Anspruch auf Bezahlung? Mehr als 9000 Web-Autoren tragen zum Erfolg der von Arianna Huffington gegründeten Web-Postille bei – unbezahlt, aber nicht völlig umsonst. Denn immerhin bekamen sie eine Menge Aufmerksamkeit. Doch als im letzten Jahr die HuffPo für 315 Millionen Dollar von AOL aufgekauft wurde, kochten die Emotionen hoch. Angeführt vom Copyright-Aktivisten Jonathan Tasini verklagten die Huff-Po-Blogger ihren „Arbeitgeber“ vor einem New Yorker Gericht. Sie forderten ein Drittel des Verkaufspreises als gerechten Lohn. Tasini selbst beispielsweise hatte in den letzten Jahren mehr als 200 Artikel in der HuffPo veröffentlicht. Das Gericht war allerdings anderer Ansicht – „A New York judge ruled that Arianna Huffington’s army of unpaid bloggers will remain just that .. unpaid“, fasste (ausgerechnet!) PaidContent.org das Ergebnis zusammen.

„Die Prinzipien der Gerechtigkeit und der guten Sitten rechtfertigen es nicht, den Klägern einen Anteil am Verkaufspreis zuzusprechen, wenn sie niemals mit Bezahlung gerechnet haben, immer wieder diesen Bedingungen zugestimmt haben und sich dieser Vereinbarung voll bewusst waren“, so die Argumentation des Richters. Niemand habe die Blogger dazu gezwungen, ihre Artikel bei der HuffPo zu veröffentlichen. Nun würden sie versuchen, „die Regeln des Spiels zu verändern, nachdem das Spiel bereits zu Ende ist“. Auch das man die Autoren über die tatsächliche Zahl der Pageviews auf HuffPo getäuscht habe, wollte das Gericht nicht gelten lassen.

Bei der HuffPo war man verständlicherweise höchst zufrieden mit dem Urteil. „Wir freuen uns auf die weitere, für beide Seiten nützliche Zusammenarbeit mit unserem wachsenden Netzwerk ebenso interessanter wie engagierter Blogger“, so das offizielle Statement. Die Fronde der 9000 Null-Dollar-Texter bleibt freilich bei ihrer Auffassung, sich als „moderne Sklaven auf Arianna Huffingtons Plantage“ verdingt zu haben, und behält sich weitere rechtliche Schritte vor. Immerhin hat Hauptkläger Tasini einige Erfahrung mit dem Erkämpfen von Autorenrechten: 2001 erstritt er vor dem US Supreme Court Tantiemen für die Zweitverwertung von Texten in elektronischen Datenbanken.

(via Guardian, PaidContent & pcmag)

Abb.: HuffPo-Gründerin Arianna Huffington (flickr/jdlasica)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

2 Gedanken zu „„Niemand hat euch zum Schreiben gezwungen“: 9000 HuffPo-Blogger bleiben unbezahlt“

  1. Wenn die grosse Kohle winkt, sind Urheberrechte plötzlich wieder wichtig und müssen monetarisiert werden. Wetten, dass ein Grossteil ebendieser Autoren zuvor noch für Free Content plädiert haben? Mein Inhalt gehört bezahlt, jener der anderen soll gefälligst gratis sein… Sowas von verlogen!

    1. Naja, frei & kostenlos zugänglich sind allerdings auch HuffPo-Artikel, die von fest angestellten (= bezahlten) Redakteuren geschrieben werden. Der Blogger-Protest ist letzlich ein Zeichen dafür, dass solche Zweiklassen-Systeme auf Dauer an ihre Grenzen stoßen. Das wirklich Perverse an der Sache finde ich übrigens: Letzlich ist die HuffPo-Methode sogar noch fairer als die Praxis bei deutschen Zeitungsverlagen (siehe zuletzt Madsack-Gruppe), sich einfach per Total-Buyout die Online-Verwertungsrechte ohne zusätzliche Vergütung unter den Nagel zu reißen.

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