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„Kopiert alle meine Werke!“: Bestseller-Autor Paulo Coelho fordert Leser zur Piraterie auf

2 Feb 2012

Paulo Coelho ist ein Mann der klaren Worte, auch in Sachen Copyright: „Piraten der Welt, vereinigt euch und kopiert alles, was ich jemals geschrieben habe!“, forderte der brasilianische Bestseller-Autor Mitte Januar in einem Blog-Artikel zum Thema Anti-SOPA-Protest. Vor wenigen Tagen rief Coelho nun erneut: „Welcome to download my books for free“. Anlass dazu bot eine Aktion des BitTorrent-Dienstes PirateBay. Die schwedischen Daten-Freibeuter forderten prominente Künstler dazu auf, ihre Werke durch kostenlose Versionen zu promoten, die über das unter der Piratenflagge segelnde Peer-to-Peer-Netzwerk verbreitet werden sollten. Als besonderes Incentive winkte den Kreativen ein direkter Link von der Piratebay-Startseite.

Für den Autor von Romanen wie „Der Alchimist“, „Die Hexe von Portobello“ oder „Aleph“ war die Teilnahme quasi Ehrensache. Schließlich betrieb er bereits zwischen 2005 und 2009 eine Seite namens „PirateCoelho“, die zur Verbreitung seiner Romane auf Internet-Tauschbörsen maßgeblich beitrug. Nun könnte man meinen, jemand wie Coelho sollte sich das Verschleudern seiner Produkte auch leisten können. Schließlich gilt der preisgekrönte Romancier als einer der zehn meistverkauften Autoren weltweit. Die Gesamtauflage seiner Publikationen soll mittlerweile mehr als 140 Millionen Exemplare betragen. Doch für Coelho selbst ist die Piraterie in den letzten Jahren tatsächlich unverzichtbarer Teil des Business-Modells geworden: „Der Verkauf meiner gedruckten Bücher steigt, seit dem meine Leser sie auf Peer-to-Peer-Seiten verbreiten“, schreibt er auf seinem Blog.

Das beste Beispiel sei der Erfolg seines Klassikers „Der Alchimist“ in Rußland. Als der Roman dort im Jahr 1999 herauskam, gab es aus Papiermangel nur eine 3000er Auflage. Kurz darauf stellte Coelho dann eine von ihm in den Untiefen des Webs aufgespürte „Raubkopie“ der russischen Version selbst an prominenter Stelle online. Das blieb offenbar nicht ohne Folgen. Nach dem Abflauen der russischen Wirtschaftskrise verkaufte sich die Print-Version hervorragend. Bereits 2002 waren mehr als 12 Millionen „Alchimisten“ in kyrillischen Lettern über die Ladentische gewandert. Später, so Coelho, hätten ihm viele Russen erzählt, dass sie erst durch die kostenlos im Internet zirkulierenden E-Books überhaupt auf das Werk aufmerksam wurden.

Für Coelho steckt dahinter ein allgemeines Prinzip: „Je öfter wir einen Song im Radio hören, desto größer wird unser Verlangen nach der CD. Mit der Literatur ist es dasselbe“, schlussfolgert der abwechselnd in Rio de Janeiro und dem französischen Tarbes lebende Autor. „Piraterie kann als Einführung in das Werk eines Künstlers funktionierten. Wenn man seine Einfälle gut findet, möchte man sie nach Hause tragen. Eine gute Idee braucht keinen Kopierschutz.“ Zum Glück funktioniert die brasilianische Variante der Selbstpiratisierung auch ohne Piratebay. Denn nach dem das von der Unterhaltungsindustrie gegen die Gründer des BitTorrent-Dienstes angestrengte Urteil Anfang Februar 2012 rechtskräftig wurde, ist die Seite PirateBay.org vorläufig nicht mehr erreichbar. Coelho-Fans wird das nicht stören – sie können sich ja (abgesehen von Alternativ-Domains) an den Autor selbst wenden.

Abb.: flickr/Vanessa Pike-Russell