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„Kindle for the Web“: Nach Google setzt auch Amazon auf cloud-basierte E-Books

7 Dez 2010

kindle-for-the-web-01 Einen Tag nach der Premiere von Googles eBookstore schlägt Amazon zurück: mit „Kindle for the Web“ stellte der Online-Buchhändler heute ebenfalls ein cloud-basiertes E-Book-Programm der Öffentlichkeit vor. Das eilig aus dem Hut gezauberte Angebot basiert auf „Kindle for the Web“-Beta, mit dem US-Kunden schon bisher zahlreiche Kindle-E-Books im Browser probelesen konnten. Brancheninsider erwarten allerdings, das der neue Service nicht vor 2011 an den Start geht. Ausprobieren kann man Kindle-for-the-Web aber jetzt schon…

Fortsetzung der „Kindle wherever you go“-Strategie

E-Books überall und auf allen Geräten – was Google kann, kann Amazon schon lange. Kindle-E-Books liest man schließlich nicht nur auf dem E-Reader selbst, sondern über die Kindle-App auch auf dem PC & Mac sowie zahlreichen Smartphones und Tablets. Dementsprechend groß ist der Marktanteil des Online-Buchhändlers – was aber vor allem an etwa 5 bis 6 Millionen verkauften Kindle-Readern liegt. Alleine mit dem Kindle selbst werden bis zu zwei Drittel aller in den USA verkauften E-Books heruntergeladen. Das einzige, was noch fehlte, war eine browserbasierte Lösung für die Online-Lektüre – und genau das wurde heute mit „Kindle for the Web“ präsentiert, ironischerweise während eines Google-Chrome-Events. Den ersten Schritt in diese Richtung hatte Amazon bereits mit browserbasierten Leseproben gemacht, die vor zwei Monaten unter dem Label „Kindle for the Web Beta“ starteten: „Kindle for the Web Beta offers an enhanced online experience to give you an impression of the book as a digital Kindle edition“, so Amazon selbst über das Angebot. Zukünftig soll „Kindle for the Web“ nicht nur einen ersten Eindruck, sondern die vollständige Lektüre erlauben – und zudem unabhängigen Webseiten ermöglichen, Kindle-E-Books anzubieten: „Kindle for the Web makes it possible for bookstores, authors, retailers, bloggers or other website owners to offer Kindle books on their websites and earn affiliate fees for doing so“, so Amazon-Manager Russ Grandinetti.

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Die E-Book-Giganten stecken ihre Claims ab

Nicht zufällig sind das genau die Elemente, mit denen gestern auch Googles eBookstore an den Start gegangen ist. Die technischen Voraussetzungen für E-Books aus der Rechnerwolke bringen wohl beide Unternehmen mit, schließlich betreiben Google wie auch Amazon riesige Rechnerfarmen. Allerdings gibt es in beiden Buchhandels-Modellen immer noch kleine Lücken. Google bringt seine E-Books auf alle Geräte – mit Ausnahme des Kindle-Readers. Umgekehrt können Kindle-E-Books nicht auf anderen E-Ink-Readern gelesen werden. So richtig konkurrieren können beide Anbieter also abgesehen von Smarthones & Tablets nur im Browser. Ob sich die Online-Lektüre allerdings als wichtiger Vertriebskanal etabliert, ist wohl in beiden Fällen eher fraglich. Denn echte E-Reader bzw. E-Reader-Apps auf Mobilgeräten bieten deutlich mehr Komfort, abgesehen davon, dass man zur Lektüre nicht zwangsläufig online sein muss. Wirklich Sinn machen die browserbasierten E-Books eher in Form von Leseproben, denen dann der bezahlte Download folgt – so wie Amazon das bisher schon ausprobiert hat. Aber momentan geht’s im Kampf der Giganten natürlich auch darum, öffentlichkeitswirksam die Claims abzustecken. Das dürfte Amazon gelungen sein.