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„Gute Journalisten erklären digitalen Müll“: Bild-App kommt auf das iPad

9 Dez 2010

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Nach der iPhone-Version von BILD gibt’s Deutschlands größte Boulevard-Zeitung nun auch für Apples iPad. Die „Bild HD“ genannte App bringt aktuelle Inhalte des Blattes in eigens für das 9-Zoll-Tablet aufbereiterer Form – vom Titel-Girl über F. J. Wagners Kolumne bis zum Sport-Teil. Als besonderes „Incentive“ ist die Bild-Website für iPad-Nutzer ab jetzt gesperrt – so sollen mobile Surfer zum Kauf der Bild-App motiviert werden, die für 79 Cent zu haben ist. Wer länger als eine Woche fette Schlagzeilen auf dem Touch-Screen antippen möchte, wird allerdings erneut zur Kasse gebeten.

Kai D. aus B. & ein Campingkocher mit Ceranfeld

Einer der rätselhaftesten Personen der deutschen Presselandschaft ist Bild-Chef-Kolumnist Franz Josef Wagner. -- Sein bleiches Gesicht hat die Farbe der Nichtlebenden. In seiner Welt scheint keine Sonne. Auf der Computertastatur spielt er wie Chopin auf dem Klavier. Er ist aber kein Journalist. Denn er veröffentlicht digitalen Müll, anstatt ihn zu erklären. -- Diese Sätze aus der Kolumne „Post von Wagner“ sind an Julian Assange gerichtet – wer sein iTunes-Konto mit 79 Cent belastete, konnte sie heute auf dem iPad lesen, in der aktuellen „Bild HD“-App. BILD ist Deutschlands größte Boulevardzeitung – schließlich wird sie als einzige im nordischen Format gedruckt, das sonst überregionalen Blättern wie FAZ oder SZ vorbehalten bleibt. Auf Apples 9-Zoll-Display wird BILD allerdings zum Tabloid gestutzt. Die auf zehn Seiten geschrumpfte iPad-Ausgabe ist ein multimedial aufbereitetes Extrakt der Papierausgabe, und wirkt streckenweise tatsächlich wie eine mittelmäßige Collage aus Original-Schnippseln. Ähnlich wie bei der iPhone-Version gibt’s per Fingertipp aber auch das PDF des Originals vom Kiosk. Begleitet wird der BILD-App-Launch von einem viralen Youtube-Spot von & mit Olli „Dittsche“ Dittrich, eingestellt von einem gewissen „Kai D. aus B.“

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„Schüttel-Girl“ für’s iPhone schaffte 400.000 Downloads

Einen Tag, bevor Titelgirl Liliane (23) aus Thüringen sich unterhalb des Torsos von Thomas Gottschalk (59) auf dem iPad-Display räkeln durfte, zog Springer-Chef Döpfner (47) eine vorläufige Bilanz der mobilen Online-Aktivitäten. Die Angebote für mobile Gadgets wurden in den vergangenen zwölf Monaten etwa 500.000 Mal verkauft und über 800.000 Mal heruntergeladen. Den Vogel abgeschossen hat dabei das Schüttel-Girl für’s iPhone: die „Bild“-App für das Edel-Handy verkaufte sich über 400.000 Mal. Das intellektuelle Flaggschiff „Die Welt“ folgt mit knapp 50.000 Verkäufen für iPhone und iPad. Noch exklusiver ist der Kundenkreis für das Premium-Magazin „The Iconist“, das es nur auf dem iPad gibt: lediglich bezahlte 7600 Downloads wurden seit dem Start im Herbst 2010 gezählt. Springers selbsterklärtes Ziel ist es, in den nächsten zehn Jahren mindestens 50 Prozent der Einnahmen mit Online-Angeboten zu erzielen – im letzten Jahr war der Digi-Anteil mit 17 Prozent jedoch noch mindestens so spärlich wie die Textilien der Titel-Girls.

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Springers Paywall auf dem iPad lässt sich leicht umgehen

Der Kurs in Richtung Paid Content wird nun allerdings forciert. Um den Absatz dieses neuen Formats anzukurbeln, wählte Springer den harten Weg – die BILD-Website wurde für Zugriffe von Apples iPad gesperrt. Stattdessen bekommen iPad-Surfer einen Verweis auf die kostenpflichtige App zu sehen. „Bild HD“ kostet im App Store 79 Cent und kann zu diesem Preis eine Woche lang genutzt werden. Danach kostet eine einzelne Ausgabe 79 Cent. Alternativ werden auch Abos angeboten: 12,99 Euro für einen Monat, 34,99 Euro für drei Monate und für ein Jahresabonnement 129,99 Euro. Allerdings lässt sich die besondere Form der Paywall auf dem iPad relativ leicht umgehen – man muss nur die sogenannte „User Agent“-Einstellung im Browser verändern (im Standard-Browser Safari ist das jedoch nicht möglich). Jeder Browser teilt nämlich der besuchten Webseite automatisch mit, wie er heißt und auf welchem System er läuft – damit soll eine optimale Darstellung von Inhalten ermöglicht werden. Wählt man in einem Alternativ-Browser wie etwa Terra oder iCab als „User Agent“ beispielsweise „Mac OS X Safari 5“ aus, wird die BILD-Homepage auf dem iPad wieder sichtbar.

(via MacWelt, ZDNet, t3n)