„Google Goggles“ 2.0 kommt – die interaktive Brille für Alleswisser

Pünktlich zum Jahresende brodelt die Gerüchteküche rund um die neuesten Gadgets aus dem Google X-Lab. Das Google Tablet ist dabei noch die banalste Insider-Information. Schließlich gibt es schon Google Smartphones und mit Android ein Google-Betriebssystem für Mobilgeräte. Die spannendste Entwicklung vollzieht sich offenbar gerade im Bereich des „Wearable Computing“, also bei Geräten, die man direkt am Körper tragen kann, oder die sogar in Kleidungsstücke integriert sind. Google setzt dabei Seth Weintraub (9to5google) zufolge auf eine High Tech Brille: „[Google is] in late prototype stages of wearable glasses that look similar to thick-rimmed glasses that ’normal people‘ wear. However, these provide a display with a heads up computer interface. There are a few buttons on the arms of the glasses, but otherwise, they could be mistaken for normal glasses.“

Augmented Reality trifft Location Bases Services

Sogenannte „Head Mounted Displays“ gibt es schon lange, doch mit den klobigen Cyberspace-Brillen haben die „Google Goggles“ demzufolge nichts zu tun. Denn man blickt nicht in miniaturisierte Bildschirme, sondern durch technisch aufgerüstete transparente Brillengläser, die von außen ganz normal aussehen. Das futuristische Interface-Konzept verbindet damit zwei Trends, die für Googles Mobile-Strategie eine zentrale Rolle spielen: Augmented Reality und Location Based Services, also ortsbezogene (Informations-)Dienste. Google Maps plus GPS war insofern nur der Anfang. Die drahtlos funkende High-Tech-Brille wird wohl genau wissen, wo man sich jeweils befindet, und wie ein kamerabestücktes Smartphone Informationen in das jeweils gezeigt Bild einblenden können (ironischerweise gibt’s ja auf dem mobilen Touch-Screen bereits einen Google-Service dieser Art – unter dem Namen „Google Goggles“). Etwa touristische Informationen über das Gebäude, vor dem man sich befindet, von Freunden empfohlene Restaurants in der Nähe oder den kürzesten Weg zum nächsten Hardware-Schnäppchen. Vielleicht kommt durch Gesichtserkennung bald auch die Identität des Gesprächspartners dazu – weswegen manche das Google-Gestell leicht spöttisch „Terminator-Brille“ nennen.

Google Books direkt vor der Nase?

Zumindest muss man wohl nicht befürchten, bei einem Spaziergang die ganze Zeit Desktop-Icons des allerneusten Android-Systems vor der Nase zu haben: „In addition, we have heard that this device is not an ‚Android peripheral‘. According to our source, it communicates directly with the Cloud over IP“, berichtet Weintraub auf 9to5google. Um das Projekt voranzutreiben habe Google zudem vor kurzem Richard DuVal engagiert, einen „Wearable Computing“-Spezialisten vom MIT, dessen Doktorarbeit nicht zufällig den Titel „The Memory Glasses“ trägt. Die „Google Goggles“ 2.0 könnten anders als etwa am Armband getragene iPod Nanos oder ähnliche Mini-Mobiles auch das elektronische Lesen auf eine neue Stufe heben. Denn im Gesichtsfeld eines solchen virtuellen Displays ist viel Platz für die Lektüre von News, Social Media Streams oder eben E-Books. Wenn die High-Tech-Lunetten wirklich den Schritt vom fortgeschrittenen Prototypen zum Serienprodukt meistern, dürfte wohl auch Google Books demnächst direkt ins Auge gehen.

Abb.: flickr/Éamonn/Montage

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".