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„Kompliziert, aber machbar“: Log.OS geht in die heiße Phase

2 Feb 2014 0 Kommentare

Berlin ist ein Startup-Hub, auch in der Buchbranche. Bester Beweis ist die Kickoff-Konferenz von Log.OS, die am Wochenende in der Akademie der Künste stattfand. Mission Statement: die Schaffung eines alternativen Betriebssystems für Literatur in Form einer gemeinnützigen Online-Plattform. Für das schon 2013 angekündigte Projekt beginnt nun die heiße Phase – es geht um die Realisierung, und damit auch um die Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit. Immerhin 150 Book People diskutierten zu diesem Zweck einen ganzen Tag lang, wie man die Branche am besten hacken kann. Dem Branchenhacker Uwe Lübbermann zufolge geht das ja am besten, wenn man möglichst wenig Insiderwissen besitzt („reingehen, anschauen, ändern“) – quasi nebenbei gründete er auf diese Weise eine neue Colamarke mit viel Koffein.

Die Log.Os-Evangelisten Volker Oppmann, Katja Splichal und Marcel Diel haben in letzter Zeit zwar auch viel Hackerbrause getrunken, wissen aber auch sehr genau, wie die Branche tickt. Oppmann ist selbst Verleger und hat mit Diel die legendäre (und dann von Thalia geschluckte) textunes-App an den Start gebracht, Katja Splichal gehört zum Gründerteam von PaperC, dem „Spotify für Fachbücher“. Die Brancheninsider wissen: Statt Büchern werden zukünftig nur noch Bibliotheksdienstleistungen angeboten – und den Zugang zur E-Lektüre kontrollieren schon jetzt vor allem Großunternehmen wie Amazon oder Apple. Verlage und Buchhändler wie auch Leser und Autoren müssen sich an die oft äußerst unvorteilhaften Regeln in diesem elektronischen Bücherpark halten, ob sie wollen oder nicht.

Log.Os soll deswegen anders funktionieren – als unabhängige, durch eine Stiftung kontrollierte Plattform, die ohne kommerzielle Eigeninteressen Contentproduzenten bzw. -anbieter und Contentkonsumenten zusammenbringt. Mit Jeff Bezos haben sich die Log.Os-Macher die entscheidende Frage gestellt: „Was wird sich in den nächsten zehn Jahren in der Buchbranche NICHT verändern?“ Nun denn – es wird auch weiterhin Autoren geben, und es wird weiterhin Leser geben. Es wird geschrieben, und es wird gelesen. Und es wird Bücher geben. Wie genau bzw. von wem E-Books in Zukunft produziert werden, ist dagegen nicht so klar. Log.OS setzt deswegen auf „molekulares Publizieren“ – vom Self-Publisher, der externe Dienstleistungen einkauft bis zum klassischen Verlegen ist alles möglich.

Doch egal ob Leser, Autor, Verleger oder Buchhändler: vor Log.Os sind erstmal alle gleich. Es wird für alle dasselbe Log-In geben – Basis der Plattform sind Nutzerprofile, keine Kunden-Accounts. Welche Funktionen man dann nutzen kann, hängt von der eigenen Rolle ab. Zugleich gilt: Die persönlichen Daten, die man auf Log.Os hinterlässt, werden nicht enteignet, zu den Grundprinzipien gehört die Datensouveränität der Nutzer. Umgekehrt ist es bei den Metadaten der Log.Os-Bibliothek: die gehören der Allgemeinheit und sind ähnlich einem Wiki frei editierbar – Ziel ist es, weitaus umfassendere Datenbestände vorzuhalten als nur etwa die der aktuell lieferbaren Bücher wie sie im VLB verzeichnet sind. So soll Log.Os auch für Bibliotheken und Universitäten interessant werden.

Die Log.OS-Macher gaben sich am Wochenende optimistisch: „Es ist kompliziert, aber machbar“ Doch bis das alternative Betriebssystem für Literatur Realität wird, bleibt noch eine Menge zu tun. Damit sich Powerpointfolien in Codezeilen verwandeln können, ist erstmal Startkapital erforderlich, genauer gesagt mindestens 5 Millionen Euro. Neben Sponsoren soll dafür die Crowd angezapft werden. Die Kick-Off-Konferenz war insofern der Start der heißen Phase, nun gilt es, Unterstützer zu gewinnen und mediales Echo zu erzeugen. Außerdem wird man auf der Straße zum Erfolg wohl schmutzige Kompromisse schließen müssen, etwa beim Thema DRM: will man möglichst viele Verlage ins Boot holen, wächst die Versuchung, mit zweifelhaften US-Unternehmen wie Adobe zu paktieren, die mit Gemeinnützigkeit genauso wenig am Hut haben wie mit Datensouveränität der Nutzer.

Abb.: flickr/P.Barrera (cc)

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