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„E-Books überschreiten Schwelle zur Marktrelevanz“ – Börsenverein legt aktuelle Zahlen vor

6 Jun 2012

Der Marktanteil von E-Books in Deutschland wächst rasant – seit 2010 hat er sich glatt verdoppelt, meldet der Börsenverein des deutschen Buchhandels. Das Wachstum findet jedoch von niedrigem Niveau aus statt. Die gedruckten Bücher in Deutschland dürfen somit immer noch behaupten: „Wir sind die 99 Prozent“. Denn E-Books (ohne Fach- und Schulbücher) haben erst jetzt ein Prozent Marktanteil erreicht. Für Börsenvereins-Vorsteher Alexander Skipis haben E-Books damit immerhin „die Schwelle zur Marktrelevanz überschritten“. Ein Zeichen für das Erreichen des Mainstreams sei auch, dass der E-Book-Markt „älter, weiblicher und viellesender“ werde, ergänzt Steffen Meier, Sprecher des Arbeitskreises elektronisches Publizieren. Bleibt nur ein Problem: den „derzeitigen Rückstand auf dem Markt kompensieren“ können E-Books in Deutschland nicht, so Börsenvereins-Vorsteher Skipis. Der Gesamtumsatz im deutschen Buchhandel sank nämlich um 1,4 Prozent.

„Geringe E-Book-Nachfrage“ im Buchhandel?

Besonderen Nachholbedarf beim Verkauf von E-Books und E-Readern hat naturgemäß der stationäre Buchhandel: hier dümpelt der Umsatzanteil auch weiterhin im niedrigen einstelligen Bereich. Als Begründung dafür wird die geringe Nachfrage angeführt. Weitaus besser bei der Erzeugung von Nachfrage scheinen dagegen die großen Portale zu sein: aktuellen GfK-Zahlen zufolge hat Amazon hierzulande inzwischen 1,6 Millionen Kindle-Reader absetzen können, Weltbild soll immerhin mehrere hunderttausend Lesegeräte unter das Volk gebracht haben. „Der Durchbruch für das E-Book kam im Weihnachtsgeschäft. Und im Januar und Februar ist das Geschäft ohne den sonst üblichen Rückgang auf diesem hohen Niveau weitergelaufen“, so Weltbild-Geschäftführer Driever kürzlich gegenüber dem Focus.

Viele Titel noch immer nicht elektronisch lieferbar

Überhaupt konnte der Online-Handel 2011 laut Börsenverein mit fünf Prozent ein sattes Plus verzeichnen, doch auch das Direktgeschäft von Verlagen nahm leicht zu. Ingesamt haben beide Vertriebsformen inzwischen einen Marktanteil von knapp einem Drittel. Ein wichtiges Standbein dürften im Online-Geschäft dabei in Zukunft elektronische Bücher ausmachen: so erwarten die Verlage nicht umsonst für 2015 einen durchschnittlichen Umsatzanteil der E-Books von 17 Prozent. Bis dahin müssen sie allerdings noch ihre Hausaufgaben machen. Denn nur 42 Prozent der Neuerscheinungen sind bisher als E-Book erhältlich, die Backlist ist erst zu 30 Prozent elektronisch lieferbar. Mal ganz abgesehen vom übertriebenen Pricing – nach Wahrnehmung des Börsenvereins sind Bücher insgesamt sogar immer noch viel zu billig.

Abb.: Flickr/carolitajohnson