„Diese Technik hat nicht existiert, wir mussten sie erfinden“: Amazon Kindle Paperwhite

Wer gedachte hatte, Amazon würde in Zukunft nur noch Tablets produzieren, lag falsch: bei der Premierenfeier in Santa Monica wurde als erstes ein neuer E-Reader präsentiert. Weiß wie Papier ist das E-Ink-Display des neuen Kindle Paperwhite – oder zumindest deutlich weniger grau bisheriges Pearl-E-Ink. Außerdem hochauflösend, mit 1024 mal 768 Pixeln erreicht das neue Kindle nun XGA-Qualität. Neu ist aber auch die Glowlight-Funktion: mehrere LEDs am Display-Rand sorgen für ein magisches Glimmern, dass die Lektüre im Dunkeln ermöglicht. All das soll inklusive Touch-Screen-Funktionalität nicht zu Lasten des Akkus gehen – auch mit eingeschaltetem Glimmerlicht hält das neue Kindle Amazon zufolge 8 Wochen lang durch. Mit 120 Dollar ist die WiFi-Version zudem nicht teurer als das bisherige Kindle Touch. Einziger Wermutstropfen: in Deutschland wird es das schwarze Kindle mit papierweißem Display vorerst nicht zu kaufen geben. Was man damit alles verpasst, zeigt unser Überblick…

“Vier Jahre Entwicklungsarbeit stecken im neuen Display“

Bisher dachte man bei „Paperwhite“ eher an eine wild blühende Narzissenart, nun schmückt dieser poetische Name Amazons neuestes Lesegerät. Es war zugleich das erste Gadget, mit dem Jeff Bezos bei der spätsommerlichen Modell-Vorstellung auf die Bühne trat. „Als wir dieses Display in Angriff genommen haben, existierte es noch nicht. Wir mussten es erst erfinden“, berichtete der Amazon-Chef. Beeindruckend ist bereits die Auflösung: 212 dpi, und somit 62 Prozent mehr Pixel als beim bisherigen Kindle-Display (800×600 Pixel). Beim Kontrast liegt das neue Kindle 25 Prozent über dem Vorgängermodell – die Buchstaben erscheinen dunkler, der Hintergrund heller. „Doch dabei sind wir nicht stehengeblieben“, fuhr Bezos fort, und ging näher auf die Konstruktionsweise ein. Aus drei Schichten besteht der Aufbau des Displays: erst kommt das neue E-Ink-Display, dann die Touch-Screen-Folie, und anschließend eine patentierte LED-Lichtführungs-Schicht. „Darin stecken vier Jahre Entwicklungsarbeit“, so Bezos.

“Die Leute werden die ganze Zeit mit Glowlight lesen“

Ähnlich wie in einem Glasfiberkabel wird das LED-Licht horizontal durch diese Schicht geleitet und durch spezielle Strukturen im Nano-Bereich nach unten abgelenkt. Anders als bei einem hintergrundbeleuchteten LED-Display entsteht somit ein charakteristischen indirektes Glimmern, das besonders augenschonend sein soll. „Das ist nicht nur perfekt für die Lektüre im Bett, sondern auch bei direktem Sonnenlicht. Die Leute werden es lieben, und das sogar in einem solchen Maß, dass sie das Glowlight die ganze Zeit anlassen.“ Das habe man bereits bei den ersten Tests herausgefunden, so Bezos, und deswegen auf eine besonders effizientes Powermanagement geachtet. Zum Glück ist die GlowLight-Funktion weitaus stromsparender als der Betrieb von normalen LED-Displays. Verbessert wurde im übrigen auch die Touch-Funktion: die kapazitive Methode funktioniert nicht nur genauer als die bisherige Infrarot-Technik, auch die Display-Einfassung konnte dadurch flacher gestaltet werden.

Neue Fonts erleichtern die Lektüre

Insgesamt hat sich allerdings die Gehäusedicke nur unmerklich um einen Millimeter nach unten bewegt, von 10 auf 9 Millimeter, das Gewicht stagniert wie beim Kindle Touch bei 212 Gramm. Verschlankt wurde leider auch beim internen Speicher – 2 Gigabyte müssen jetzt reichen. Verbessert wird aber die Lektüre auf dem HD-Display, und zwar durch überarbeitete Fonts, die speziell auf die höhere Auflösung abgestimmt wurden. Erstmals gibt es nun auch individuelle Schriftarten wie Baskerville oder Palatino. Zu den weiteren Features im Bereich Nice-to-have gehört die „Time to Read“-Funktion. Ein smarter Algorithmus schätzt auf Grundlage der vorherigen Lesegeschwindigkeit ein, wie lange man noch bis zum Ende eines Kapitels oder bis zum Ende eines E-Books braucht.

Abb.: Amazon

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

4 Gedanken zu „„Diese Technik hat nicht existiert, wir mussten sie erfinden“: Amazon Kindle Paperwhite“

  1. Auch die Speicherangabe stimmt nicht, leider hat der neue nur noch 2GB und nicht mehr 4GB wie der alte Touch.

    Das heißt der hat folgendes nicht mehr:

    – Audio Fähigkeit
    – kein Text to Speech mehr (kein vorlesen von ebooks)
    – nur noch halb so viel Speicher

    1. Ja, tatsächlich, vorher waren’s 2 GB mehr. Schätze mal, Amazon will uns motivieren, sobald es um minimalste Formen von Multimedia geht, dann lieber doch gleich auf’s Tablet umzusteigen…

  2. Der letzte Absatz zu Whispersync erscheint mir irreführend. Ist es nicht so, dass der Kindle Paperwhite keinen Kopfhorerausgang und keine Lautsprecher mehr besitzt und daher wohl nicht für Hörbücher verwendet werden kann?

    1. Ja, stimmt, da hat Amazons Pressemitteilung zum neuen Kindle mich in die Irre geführt. Habe noch mal genau nachgeschaut, da ist zwar von Audiobooks die Rede, aber nur im Zshg mit der Kindle -App für Tablets und Smartphones… Ich schmeisse den Absatz einfach jetzt raus.

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