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E-Books vs. Angry Birds: Weltbild-Tablet CAT Nova im Test

3 Nov 2011


„Was die Verlage nicht begriffen haben ist: auf digitalen Geräten konkurrieren sie mit Angry Birds“, schrieb Sascha Lobo kürzlich über die Situation auf dem (E-)Buchmarkt. Die Buchhandelsgrößen Weltbild und Hugendubel scheinen diese Konkurrenz nicht zu scheuen. Auf dem Display ihres neuen CAT Nova Tablets ist alles möglich, neben E-Books, Musik oder Video fliegen auch mal Vogelfedern durch die Gegend. Der 8-Zoller ist nämlich ein vollwertiges Android-Tablet, das via WiFi drahtlosen Zugriff auf mehr als 100.000 Apps im Android Marketplace hat. E-Book-News hat den aktuellen Weltbild-Preisbrecher getestet – und war positiv überrascht. Denn für 159 Euro bekommt man ein multifunktionales Gadget, das auch als Lesegerät brillieren kann, egal ob es um E-Books, E-Comics oder E-Magazine geht.

“Die Zukunft liegt vor dir“

„Die Zukunft liegt vor dir“, steht auf silber schimmernden Umhüllung des Weltbild-Tablets. Kommt natürlich immer darauf an, welche. Weltbild hat bereits eine ganze Serie von Low-Cost-Lesegeräten aus dem Hause Trekstor vermarktet, deren Nutzwert sich jedoch in Grenzen hielt. Das Design des neuen CAT Nova Tablets dagegen stammt vom Unterhaltungselektronik-Experten Cat Sound. Schon das Gehäuse des 500 Gramm schweren Gerätes sieht deutlich wertiger aus, im Zentrum steht dabei das acht Zoll große kapazitive Touch-Screen, ergänzt durch vier berührungsempfindliche Tastenfelder. Zahlreiche Schnittstellen erhöhen den Nutzwert. Neben dem Mikro-USB-Port und Kopfhörerbuchse gibt es auch einen HDMI-Ausgang, um Videos auf einem großen Bildschirm betrachten zu können. Ins Auge fallen zudem die beiden Kameras, von denen sich eine auf der Vorderseite, die andere auf der Rückseite befindet. Ebenfalls auf der Rückseite erkennt man zudem schmale Öffnungen, hinter denen sich die externen Lautsprecher verbergen. Gesteuert wird die Soundausgabe über Volume-Tasten am Gehäuserand.

Android Marketplace liefert Apps

Aus technischen Gründen wird das Weltbild Tablet nicht via USB, sondern über einen separaten Anschluss geladen. Das spezielle Ladekabel gehört ebenso zum Lieferumfang wie ein normales USB-Kabel und ein Adapter, um normale USB-Sticks, Surf-Sticks oder externe Festplatten an das Tablet anschließen zu können. Als Betriebsystem wurde Android 2.3 gewählt, eine etwas ältere, dafür aber auch ressourcenschonendere Variante von Googles mobilem Betriebssystem. Bereits vorinstalliert sind einige Apps, um Grundfunktionen wie Webzugang, E-Mail oder Video-Chat nutzen zu können. Auch die Audio- und Videoabspielfunktionen sind bereits im Lieferzustand verfügbar. Über den Android Marketplace kann man zahlreiche weitere kostenlose Apps herunterladen. Gesteuert wird das Weltbild Tablet neben den üblichen Fingerwisch- und Fingertipp-Gesten auf dem Touchscreen über die Funktionsfelder am unteren Displayrand. Dort gibt es nämlich eine Home-, eine Menü-, eine Back- sowie eine Such-Taste.

Erste Schritte auf dem Tablet

Wer zuvor Apple-Geräte genutzt hat, muss sich etwas umgewöhnen: Wie bei Android-Oberflächen üblich gibt es nicht nur einen normalen Desktop, sondern auch eine Gesamtansicht aller installierten Apps. Sie lassen sich per Fingertipp an die gewünschten Stelle auf dem Desktop schieben. Umgekehrt kann man sie auch wieder vom Desktop löschen. Um eine bereits aktivierte App zu konfigurieren, nutzt man die Menütaste. Die Ausrichtung des Displays wechselt durch den G-Sensor automatisch zwischen Hoch- und Querformat, lässt sich aber abschalten. Steuern kann man zum Glück auch die Bildschirmhelligkeit. Konfigurieren muss man natürlich vor der ersten Nutzung des Weltbild-Tablets erst einmal die drahtlose Verbindung ins Netz – die wahlweise über W-Lan oder über einen UMTS-Surf-Stick möglich ist. Wer den Web-Browser komfortabel nutzen möchte, sollte zudem gleich via Android Marketplace den Flash-Player von Adobe installieren.

Weltbild-Tablet als E-Reader

Weltbild verkauft das CAT Tablet zwar nicht explizit als Lesegerät, auf dem Desktop ist allerdings ein Shortcut zur Weltbild-Homepage angelegt. Die neue E-Reader-App von Weltbild steht ebenfalls für Android zur Verfügung, lohnt sich vom Funktionsumfang her allerdings kaum. Erste Wahl sollten komfortablere Apps wie Aldiko oder Bluefire Reader sein, die man ebenfalls kostenlos im Android Marketplace herunterladen kann. Mit ihnen kann man sowohl epubs wie auch PDFs hervorragend auf dem Weltbild-Tablet lesen, ob mit oder ohne DRM. Die Kindle-App funktioniert ebenfalls problemlos. Überhaupt eignet sich das acht Zoll-Display von der Größe her ausgezeichnet für die Lektüre von E-Books. Erst recht gilt das für farbige E-Comics, hier kann das Display auch seine Auflösung von 800x600 Pixeln voll ausspielen. Die Prozessorleistung sorgt nicht nur für rasche Seitenwechsel, sondern ermöglicht nahtloses Zoomen mit der vom iPad gewohnten Zweifinger-Geste.

News, E-Mail, Office-Funktionen

Reibungslos laufen neben Zeitungs-Apps (etwa Le Monde oder Guardian) auch die Android-Anwendungen von Tagesschau, ZDF oder BBC. Auffällig ist aber bei der Nutzung von Video-Streaming die geringe Bandbreite, was für spürbare Verzögerungen beim Start sorgt. Ähnliche Anlaufschwierigkeiten gibt es beim Abspielen von Youtube-Videos. Besser sieht es da schon bei Social Media-Streams aus, Twitter-Clients etwa bleiben via WLAN immer auf dem Laufenden, auch die vorinstallierte E-Mail-App schlägt sich wacker trotz aller Attachments. Mit Hilfe der Android-Version von Dropbox kann man sogar wichtige Dokumente vom PC-Desktop ganz einfach auf dem Weltbild-Tablet verfügbar machen. Neben einfachen Viewer-Apps für Word-Dokumente gibt es auch Office-Apps mit Bearbeitungsfunktion. Wer dabei statt der virtuellen Touch-Screen-Tastatur eine echte nutzen möchte, kann dies ebenfalls: Weltbild bietet eine kunstlederne Tablet-Hülle mit integriertem Mini-Keyboard an, das via Mikro-USB angeschlossen wird. Die kleinen Tasten sind zwar etwas gewöhnungsbedürftig, erlauben aber recht flottes Schreiben mit zehn Fingern.

Notwendige Design-Kompromisse

Neben dem Gebrauch als improvisierter Schreibmaschine gibt es noch eine zweite interessante Möglichkeit, das CAT Nova Tablet unterwegs einzusetzen – als 8-Zoll-Navigationshelfer. Die entsprechende App ZANavi ist bereits vorinstalliert und nutzt das eingebaute GPS-Modul. So richtig Sinn macht das aber wohl erst, wenn man auch die bei Weltbild erhältliche Auto-Halterung im Fahrzeug montiert hat. Insgesamt ist das Weltbild-Tablet durch den Funktionsumfang durchaus 159 Euro wert – auch wenn die für diesen Preis notwendigen Design-Kompromisse nicht zu übersehen sind. So ist etwa das Gewicht etwas hoch, die Akkulaufzeit mit sechs bis acht Stunden etwas niedrig, die WLAN-Verbindung nicht besonders leistungsfähig. Dafür läuft aber Android 2.3 recht stabil und flüssig, so dass man statt E-Books zu lesen auch mal im Web surfen, E-Mails checken oder Angry Birds spielen kann. Für den Buchhandel dürfte der Schritt vom E-Reader zum Tablet allerdings Folgen haben. Die Lese-Apps samt ihrer integrierten E-Stores konkurrieren im Android Marketplace mit hunderttausenden anderen Anwendungen, die oft keinen einzigen Cent kosten.

Weltbild/Hugendubel Tablet (CAT Nova)


Display

8 Zoll Farbdisplay, 800 x 600 Pixel , Multitouch kapazitiv

Gewicht

500 Gramm

Schnittstellen

WiFi, HDMI, Mikro-USB, SD-Slot, Kopfhörerbuchse

Speicher

512 MB RAM, 4 GB ROM intern, max. 32 GB extern

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF (DRM)

Multimedia-Formate

Audio-, Video- und Bilddarstellung

Features

2 Kameras (vorn 1,3, hinten 2,0 MP), G-Sensor, GPS-Modul

Vorinstallierte Apps

E-Mail, Browser, Google Maps, Android Marketplace etc.

Preis

159,99 Euro (Weltbild/Hugendubel)