„Bücher mit Batterien – warum nicht?“: Für Stephen King sind E-Reader keine Horrorvorstellung

king-kindle-ur Das Kindle mag für manche Schriftsteller immer noch Grusel-Faktor besitzen. Für Stephen King ist es längst zur Cash-Maschine mutiert: Der exklusiv auf Amazons E-Reader veröffentliche Kurzroman „Ur“ alleine brachte dem Bestseller-Autor 80.000 Dollar ein – nicht schlecht für eine Schreibdauer von drei Tagen. Die Kindle-Only-Version bleibt jedoch eine Ausnahme: Stephen Kings neuer Erzählband „Full Dark, No Stars“ ist am 9. November als E-Book auch via iBooks, Barnes&Noble und bei anderen Anbietern erhältlich.

“Why can’t you just read off the computer like the rest of us?“

„Books with Batteries? – Why not?“: Wohl kaum ein Bestseller-Autor in den USA hat ein entspannteres Verhältnis zu E-Books und E-Readern als Stephen King. Für Amazons Kindle ist der Autor von Grusel-Klassikern wie „Shining“, „Friedhof der Kuscheltiere“ oder „Es“ mittlerweile fast schon zur Galionsfigur geworden. Zum Start des Kindle 2 im Februar 2009 steuerte King exklusiv den 91-seitigen Kurzroman „Ur“ bei – in der Hauptrolle: ein E-Reader. „Vorher hatte ich bereits über mordende Autos, finstere Computer und hirntötende Mobiltelefone geschrieben, als die Amazon-Anfrage kam, dachte ich eigentlich gerade über eine Person nach, die E-Mails aus dem Totenreich erhält“, so der Autor über seine besondere Vorliebe für „Gadgets, die eines Tages verrückt spielen“. Für das exklusive Kindle-Book liess sich King etwas ganz besonderes einfallen. „Ur“ dreht sich um einen pinkfarbigen Kindle-Reader aus einem Parallel-Universum. Das „weird gadget“ landet irrtümlich beim College-Lehrer Wesley Smith. Wie der Besitzer des mysteriösen E-Readers bald feststellt, führt die ungewöhnliche „Ur“-Taste auf diesem Gerät zu Büchern, die in unserer Welt nicht existieren. Wer damals eine Vorbestellung für das Kindle 2 aufgab, bekam die Story sogar umsonst. Inzwischen hat sich „Ur“ trotz Kindle-Only-Fassung gut verkauft. „Ich bin ein Vielschreiber, drei Tage hat mich das gekostet, und ich habe um die 80.000 Dollar damit erzielt. Für Kurzprosa bekommt man das sonst nicht mal, wenn man im Playboy veröffentlicht“, äußerte sich King jetzt gegenüber dem Wall Street Journal.

Weitere Self-Publishing-Projekte plant King offenbar nicht

Weitere Self-Publishing-Projekte plant Stephen King zur Zeit offenbar nicht. In der Vergangenheit war das ganz anders – der 1947 geborene Autor kann sogar als einer der Pioniere auf diesem Gebiet gelten. Bereits „Riding the Bullet“ (dtsch.: „Achterbahn“) war vom Verlag Simon & Schuster im Jahr 2000 (!) online publiziert worden. Dabei konnte King auch erste Erfahrungen mit Kopierschutz machen – denn unter seinen Fans waren einige Hacker, die eine gecrackte Version in Umlauf brachten. Als Reaktion darauf startete der Bestseller-Autor eine DRM-freie Online-Strategie – die Romanserie „The Plant“ nämlich war als ein Subskriptions-Modell auf freiwilliger Basis entworfen. Die erste Folge war kostenlos, für weitere bis Ende 2000 veröffentlichte Folgen verlangte King einen Dollar. Downloaden konnte man die Dateien zwar grundsätzlich immer noch gratis. Doch gab der Autor seinen Lesern zu verstehen: nur wenn mindestens 75% der Downloads bezahlt würden, gäbe es eine neue Folge. Mittlerweile ist der Meister des Horror-Pageturners eher ein Meister des parallelen Print- und E-Publishings geworden. Sein letzter Roman „Arena“ kam gleichzeitig als E-Book und auf Papier heraus. Genauso läuft’s beim neuen Erzählband „Full Dark, No Stars“: ab 9. November kann man nicht nur Versionen u.a. für Nook, Kindle und iBooks downloaden, sondern auch die Hörbuchfassung.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".