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„Das Buch hat eine Zukunft, DRM auch – weil die Verlage es so wollen“ (Jeff Bezos)

1 Okt 2013

Goldene Worte zur Zukunft des Buches kennt man von Jeff Bezos genauso wie weiland von Steve Jobs. Doch während der Apple-Chef gerne ebenso steile wie realitätsferne Thesen präsentierte („Egal wie gut das Produkt ist, die Leute lesen heutzutage einfach nicht mehr“), hält sich der Amazon-Chef lieber an die selbst verursachten Fakten. So auch diesmal: „Das Ende ist nicht abzusehen, der Übergang in Richtung E-Book wird noch für eine ganze Weile andauern“, äußerte sich Bezos jetzt gegenüber PC-Mag. „Unsere aktivsten Kindle-Book-Käufer erwerben zugleich sehr viele Bücher aus Papier, sie kaufen also beides. Für viele Menschen gibt es kein Entweder-Oder. Irgendwann in der Zukunft werden gedruckte Bücher Luxusgüter sein, aber bis dahin ist es noch weit.“

Eine goldene Zukunft hat Bezos zufolge aber auch Digital Rights Management bei E-Books: „Wir machen das, was die Rechteinhaber wollen“, so der Amazon-Chef. Und das ist bis auf weiteres bekanntlich DRM, ob man das nun gut findet oder nicht. Zugleich präsentiert sich Bezos aber als eine Art ehrlicher Makler zwischen den Interessen von Verlegern und Lesern: „Wir hängen da keiner Glaubensrichtung an. Will der Rechteinhaber DRM, gibt es DRM. Will er kein DRM, gibt es kein DRM.“ Wirklich unglücklich über den aktuellen Zustand wird Bezos wohl nicht sein – bekanntlich hängt das geschlossene Ökosystem der Kindle-Welt vor allem mit dem Kopierschutz zusammen.

Ausgebremst wird Amazons Expansionsdrang dagegen durch die gleichzeitige Zurückhaltung der Verlage beim E-Book-Verleih – doch auch hier gibt sich Bezos im Interview auffällig konziliant: Die Verlage hätten gegenüber dem „Account-to-account-Sharing“ gerechtfertigte Bedenken, was die Möglichkeiten der Kontrolle betreffe. Das kann man vielleicht auch so übersetzen: im Self-Publishing-Bereich funktioniert die Kindle-Leih-Bibliothek bereits so gut, dass man die Kooperation der Verlage nicht unbedingt mehr braucht. Letztlich baut der Erfolg von Amazons KDP-Plattform sogar darauf auf, dass hier Indie-Autoren genau das Gegenteil von dem machen, was die Verlage normalerweise tun – vom E-Book-Verleih über niedriges Pricing bis hin zum Verzicht auf DRM.

Abb.: Flickr/Insider Monkey (cc)