Home » E-Book-Reader

„Blauer Engel“ für E-Reader: Nachhaltige Lektüre dank E-Ink

10 Okt 2011

Für E-Books müssen keine Bäume sterben, und E-Ink-Displays sparen eine Menge Strom. Das gefällt auch den Nachhaltigkeits-Profis des Freiburger Öko-Instituts. Sie wollen für E-Reader in Zukunft das Umweltabzeichen „Blauer Engel“ vergeben. Das Öko-Institut hat dafür Kriterien definiert, nach denen Geräte zu den „Besten ihrer Klasse“ gehören. Sie müssen dafür etwa Akkus mit besonders langer Lebensdauer sowie Mikro-USB-Ports für Universalladegeräte besitzen. Wichtig ist aber auch die Unterstützung möglichst vieler E-Book-Formate, damit der Nutzer mit einem Gerät auskommt.

E-Reader sind Tablet-PCs überlegen

Wer elektronisch liest, darf sich als Umweltengel fühlen. Beim Stromsparen macht E-Readern schließlich kein anderes Gerät etwas vor, denn beim elektronischen Papier wird der Akku nur beim Seitenwechsel („Page Refresh“) belastet. So erreichen elektronische Lesegeräte in der Praxis oft Ladezyklen von zwei Wochen bis zu einem Monat. Tablets, Laptops oder Smartphones müssen dagegen spätestens nach ein paar Tagen wieder an die Steckdose. Außerdem sind E-Reader weitaus kompakter als andere Gadgets – was schon im Produktionsprozess Pluspunkte bietet: „In der Herstellung und Nutzung verursacht ein E-Book-Reader mit eInk-Display rund 25 Kilogramm CO2; etwa ein Zehntel im Vergleich zu einem herkömmlichen Laptop und immer noch deutlich weniger als Tablet PCs“, so Andreas Manhart, Experte für umweltfreundliche elektronische Produkte am Öko-Institut.

Die C02-Bilanz des Kindle-Reader

Ausserdem wird natürlich eine Menge Papier gespart, vor allem, wenn man neben Büchern auch Zeitungen und Zeitschriften auf dem E-Ink-Display liest. Die Herstellung von zehn Büchern mit 200 Seiten DIN-A5 aus Frischfaserpapier, so rechnet Manhart vor, verursacht rund elf Kilogramm CO2, selbst Recyclingbücher immer noch rund neun Kilogramm. Nach zwanzig bis dreißig elektronischen Schmökern ist der E-Leser klimatechnisch also auf dem Weg zu einem echten Saubermann. Über mehrere Jahre gerechnet sieht es sogar noch besser aus. Die New York Times hat sich (basierend auf Daten der Cleantech Group) vor einiger Zeit mal an einer Gesamtbilanz des Kindle-Readers versucht. Lese man vier Jahre lang dei Bücher pro Monat, würden inklusive Stromverbrauch 168 kg Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen, gegenüber mehr als 1000 kg C02, die der Kauf von 144 gedruckten Büchern versacht hätte

Wenn der Reader beim Recycling landet

Irgendwann wandert natürlich auch ein E-Reader auf den Abfallhaufen der Technikgeschichte. Damit die Umweltbilanz auch dabei im Lot bleibt, müssen die Geräte möglichst über Lithium-Akkus verfügen, die mit wenigen Handgriffen entnommen werden können, fordert Andreas Manhart: „Nur so können die wertvollen Rohstoffe aus der Batterie wiederverwertet werden und landen nicht in falschen Recyclinganlagen oder als problematischer Elektroschrott auf der Deponie“. Für die Verleihung des „Blauen Engels“ ist der herausnehmbare Akkus deswegen eine notwendige Voraussetzung. Die meisten E-Reader auf dem Markt sind bisher leider hermetisch versiegelt – ähnlich wie viele Tablets und Smartphones. Das sorgt bereits bei laufendem Betrieb oft für Ärger beim Kunden, denn bei einem schwächelnden Akku hilft dann nur das Einschicken zum Hersteller. Vielleicht verhilft ja die Aussicht auf den „Blauen Engel“ endlich mal zu mehr Nutzerfreundlichkeit.