„All you can hear“: Audiobooks.com führt Flatrate für Hörbücher ein

„Unlimited, unlimited, unlimited audiobooks!“: Was Netflix für TV-Serien und Spotify für Musik möglich macht, gibt’s ab sofort auch für Hörbücher. Als erster großer Anbieter weltweit startet das US-Unternehmen Audiobooks.com ein Streaming-Angebot zum monatlichen Festpreis. Für 25 Dollar haben die Abonnenten 30 Tage lang unbegrenzten Zugriff auf mehr als 10.000 Hörbücher, die aus der Cloud direkt auf den Rechner wandern. Gelauscht wird via Browser – Audiobooks hat eine auf HTML 5 basierte App entwickelt, die sich plattformübergreifend nutzen lässt, sowohl auf dem Desktop wie auf Mobilgeräten. Eine Synchronsierungsfunktion ähnlich der Kindle-App ermöglicht auch beim Switchen zwischen einzelnen Geräten die direkte Forsetzung der akustischen Lektüre. Das Abo ist äußerst flexibel – es lässt sich von Monat zu Monat wieder kündigen. Deutschen Hörern bleibt das Streaming-Angebot vorerst leider verschlossen, denn Audiobooks beschränkt sich auf die USA und Kanada.

Vertriebslogik des Buchmarkts verhindert Flatrates

„All you can hear“ liegt tatsächlich näher als „all you can read“, denn Hörbücher lassen sich genauso streamen wie sonstige Audio- oder Videoangebote. Doch die traditionelle Vertriebslogik des Buchmarktes hat offenbar vergleichbare Angebote bisher verhindert. So bleibt auch das „Hörbuch-Abo“ des Amazon-eigenen Anbieters Audible beim näheren Hinsehen den Regeln der Gutenberg-Galaxis verpflichtet: das monatliche Guthaben wird ganz einfach portionsweise gegen einzelne Titel eingetauscht. Allerdings experimentiert Amazon selbst in den USA sogar schon mit einer Art Flatrate für E-Books. Denn Premium-Kunden erhalten gegen eine Jahresgebühr von 79 Dollar Zugang zum einem kostenlosen E-Book-Verleihservice. In Zukunft dürfte dieses Modell ausgeweitet werden – zumal mit dem Kindle Fire nun eine Geräteplattform zur Verfügung steht, auf der sich sämtliche Medienarten perfekt verwerten lassen.

E-Books & E-Comics werden auch schon gestreamt

Bei E-Comics etwa ist das Streaming schon gängige Praxis – viele US-Verlage bieten flash-animierte Viewer für den Browser an, die ihren Content aus der Cloud beziehen. Doch auch Googles eBook Store etwa ermöglicht via Rechnerwolke die Online-Lektüre von E-Books. Viele andere internationale E-Book-Anbieter arbeiten derzeit an neuen HTML 5-Apps, um ihren Content nahtlos auf alle Geräte bringen zu können. Rein technisch steht Flatrate-Angeboten also auch für Text-Inhalte überhaupt nichts mehr im Weg. Für Verlage und Buchhandel in Deutschland steht damit bereits die nächste Grundsatzdiskussion an. Wie soll man auf den neuen Trend reagieren, und welche Preismodelle sind vorstellbar? Eins zumindest sollte man an Amazons Vorpreschen im E-Book-Sektor gelernt haben: aussitzen lässt sich diese Entwicklung nicht. Zumal die Buchpreisbindung bei Abo-Angeboten nicht unbedingt eine bremsende Wirkung haben wird. Bei Hörbüchern existiert sie sowieso nicht – der endlose Strom von Audiobooks wäre also hierzulande auch heute schon ohne weiteres möglich.

(via The Atlantic & Mashable)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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